Absage Tutzinger Akademie – Wer macht hier Druck?

Den folgenden Text habe ich als Blog-Beitrag in der „Freitag-Community“ verfasst – als Leserbrief an die Wochenzeitung der Freitag, in dem dieser Artikel erschien. Auch andere Medien wie die Süddeutsche Zeitung (<– hier der Artikel, hier dazu mein Leserbrief) haben sich zur Absage der Veranstaltung geäußert. Das ist gut, aber nicht genug.
Ich hoffe auf eine rege Diskussion und viele weitere Leserbriefe. Empört Euch!


„Kein Gespräch, nirgends“, so titelt Christian Füller seinen Beitrag auf Seite 1 der Wochenzeitung der Freitag zur Absage der Nahost-Tagung in der Evangelischen Akademie Tutzing. Aber warum genau? Jetzt ist mal Zeit für Klartext.

Was für ein prominenter Platz die Absage der Tutzinger Veranstaltung zum Israelisch-Palästinensischen Dialog doch erhalten hat – und wie verhalten die Kritik an dieser Absage ausgefallen ist! Der Leiter der Akademie, Udo Hahn, wird zitiert, man habe nicht genügend Gesprächspartner gefunden. Wie wär’s, einfach mal das Programm, das schon seit Wochen feststeht und veröffentlicht war (!), abzudrucken, um die beachtliche Zahl der Gesprächspartner zu sehen und obendrein zu erkennen, um welche Persönlichkeiten es sich da handelt!

Der Akt der Absage sei „schade, sogar in höchstem Maße ärgerlich“, heißt es weiter. Im Kontext aller anderen, unter dem Druck einiger weniger, aber offensichtlich einflußreicher Personen und Institutionen verhinderten Veranstaltungen sollte man doch eher von einem Skandal sprechen. Denn hier geht es um nichts geringeres als den Versuch, die freie Meinungsäußerung, die offene Debatte zu unterbinden – und zwar ausschließlich und explizit, weil es um israelische Politik geht.

Ganz offensichtlich sollen zum Thema Israelpolitik, israelische Besatzung und Nahostkonflikt auf gar keinen Fall die Stimmen aller Seiten gehört werden. „Die Gründe für die Absage zu eruieren, ist praktisch nicht möglich“, schreibt Füller. Warum nicht? Seit wann können Journalisten nicht recherchieren? Man muss nicht investigativen Journalismus betreiben, um die wenigen Beteiligten auf beiden Seiten ausfindig zu machen: Die einen, die alles daran setzen, israelkritische Veranstaltungen zu verhindern und vor Mitteln wie Verleumdung und falschen Behauptungen nicht Halt machen; und diejenigen, die diesen Verleumdungen ausgesetzt sind und zum Teil sogar in der Ausübung ihres Berufes behindert werden. Zu denen gehöre ich.

Hahn und andere Verantwortliche, etwa aus der Evangelischen Kirche, weigern sich, über ihre Erklärungen hinaus Auskunft über die Absage zu geben, schreibt Füller, und fragt, ob es wohl ein Geheimwissen über die Teilnehmer gebe. Sollte man sich nicht eher die Frage stellen, ob es ein Geheimwissen über diejenigen gibt, die derartigen Druck machen können, um solch eine Veranstaltung kippen zu können?!

Nochmals zum Inhalt: Hier war eine Veranstaltung geplant, die Dialog zum Inhalt hatte. Eine Veranstaltung, bei der Palästinenser und Israelis, die der Gewalt abgeschworen haben, miteinander reden wollten, u.a. Combatants for Peace – Kämpfer beider Seiten, die ihre Waffen gestreckt haben und im gewaltfreien Dialog einen gemeinsamen Weg suchen; sie sind für den Friedensnobelreis nominiert. Außerdem standen auf der Liste der ReferentInnen unter anderen prominenten Namen auch Dr. Moshe Zimmermann, Prof. Dr. Oren Yiftachel oder die Schriftstellerin Lizzie Doron, die ein spannendes Interview im Deutschlandradio über ihre Situation gibt. Sie alle haben ihrer Empörung in einem Schreiben an die Akademie Ausdruck verliehen, das den Veranstaltern zur Veröffentlichung freigegeben wurde.

Wer also hat Interesse, dass solche Dialoge, solche Veranstaltungen nicht stattfinden, und warum? Da ich persönlich betroffen bin, kenne ich sowohl die Personen als auch die Vorgänge genau. Als Künstlerin setze ich mich seit Jahren für Dialog und Völkerverständigung zwischen Israelis und Palästinensern ein und habe das ‚Bündnis zur Beendigung der israelischen Besatzung‘ BIB mitbegründet. Solange meine Programme sich vornehmlich mit der deutsch-jüdischen Geschichte auseinander gesetzt haben, solange das Gedenken des Holocaust im Vordergrund stand, war ich selbst in jüdischen Gemeinden und Kreisen wohl gelitten. Mein erstes Programm mit einer syrischen Tänzerin wurde bereits 2003 mit Nichtachtung gestraft. Doch seit ich 2007-09 in Israel gelebt habe und begann, von meinen eigenen (schmerzlichen) Erfahrung in meiner Heimat zu berichten, bin ich in meinen eigenen Kreisen diskreditiert – als Verräterin, als selbst-hassende Jüdin, ja sogar als Antisemitin. Was für ein Schwachsinn!!

Es ist an der Zeit, darüber zu sprechen, warum bestimmte Kreise unter allen Umständen verhindern wollen, dass über Israels menschenverachtende, völkerrechtswidrige Besatzungspolitik hier bei uns offen gesprochen wird. Dass diese Leute Angst haben, dass die Wahrheit über die Besatzungsrealität in all ihrer Hässlichkeit ans Tages licht kommt, ist klar – denn sie wissen genau Bescheid. Warum aber haben diese Leute die Macht, selbst Institutionen wie die Tutzinger Akademie in die Knie zu zwingen? Wer und was steckt dahinter? Als ein Benefizkonzert für Gaza in Gräfelfing bei München verhindert werden sollte, bei dem ich eine kurze Einführungsrede halten sollte, waren es über Hundert Mails, die die Bürgermeisterin erreichten. Mails von beiden Münchner Jüdischen Gemeinden, von einer ‚Schülergruppe gegen Antisemitismus‘, die sich als Fake herausstellte, von Juden aus ganz Deutschland, die fast alle wörtlich den selben Text beinhalteten: „Verhindern Sie diese Antisemitische Israel-Hass-Veranstaltung!“ Eine konzertierte Aktion also – und wie bei all den anderen Boykottversuchen israelkritischer Veranstaltungen nur wenige Tage vor dem geplanten Event in Gang gebracht, damit nur ja nicht genug Zeit für die Veranstalter bleibt, der Sache in Ruhe nachzugehen. Aber mit dem Vorwurf des Antisemitismus, am besten gepaart mit dem Vorwurf, die Akteure seinen BDS-Aktivisten (auch das meist eine Verleumdung), gerät natürlich jeder Veranstalter in Deutschland in Schockstarre und kann ihr nur durch sofortigen Rückzug und Absage entrinnen. Oder durch ‚Verschiebung‘ auf bessere Zeiten – wie in Tutzung geschehen.

Im Gegensatz zu dutzenden anderen abgesagten Veranstaltungen ließen sich die Gräfelfinger Verantwortlichen nicht beirren. Das Konzert fand statt, inklusive meiner Rede und der Verlesung der 30 Artikel der Menschenrechte. Die Zuschauer wussten hinterher, warum die Kritiker dies für so bedrohlich hielten: Viele Menschenrechte werden ausgerechnet in Israel mit Füßen getreten – das will niemand hören. Wir Kritiker übrigens auch nicht; ich jedenfalls will endlich hören, dass Israel sich an das hält, was es zumindest uns Israelis noch vor einigen Jahrzehnten noch versprochen hat.

Eines ist klar: Die Kritik an Israels Politik ist das Gegenteil von Antisemitismus. Die Kritik wird auf lange Sicht verhindern, dass Juden weltweit für die Verbrechen einer nationalistisch-rassistischen Politik verantwortlich gemacht werden. Und auf ganz lange Sicht wird die Kritik und ein entsprechender Umgang mit dem Staat Israel vielleicht sogar dazu führen, dass diesem Staat auf Augenhöhe begegnet wird, dass er gezwungen wird, seine Normen und Werte zu hinterfragen und zu korrigieren. Wenn Deutschland und Europa nicht mehr kritiklos hinnehmen, dass die Enkel und Urenkel der verfolgten europäischen Juden sich über Völker- und Menschenrechte hinwegsetzen, als hätten sie sich Dank der Verbrechen an ihren Vorfahren an keinerlei internationale Vereinbarungen zu halten, dann hat die israelische Bevölkerung vielleicht wieder eine Chance, zur Besinnung zu kommen – und womöglich sogar ihre eigenen jüdischen Werte wieder ernst zu nehmen.

Artikel 19 der Allgemeinen Charta der Menschenrechte verspricht allen Menschen auf unserem Planeten das Recht auf freie Meinungsäußerung:

Artikel 19
Jeder hat das Recht auf Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung; dieses Recht schließt die Freiheit ein, Meinungen ungehindert anzuhängen sowie über Medien jeder Art und ohne Rücksicht auf Grenzen Informationen und Gedankengut zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten.

Nachdem wir uns in unserer sogenannten „westlichen Wertegemeinschaft“ schon ziemlich gut in Richtung Meinungsfreiheit bewegt hatten – nicht Wenige haben dafür gekämpft, Einige dafür gar ihr Leben gelassen – gibt es in meinen beiden Heimatländern Deutschland und Israel derzeit bedenkliche Tendenzen, die Freiheit der Meinungsäußerung empfindlich zu beschneiden. In Israel gibt es immer mehr Gesetze, die z.B. Menschenrechtsaktivisten darin einschränken, ihren Job zu machen. In Deutschland darf zwar die NPD als staatlich finanzierte Partei existieren, aber Veranstaltungen, in denen es um Menschenrechte für Palästinenser geht oder womöglich sogar um – Gott bewahre! – gleiche Rechte für Israelis und Palästinenser, werden am laufenden Band abgesagt. Begründung: Antisemitismus. Weil wenn’s um Israelkritik geht, können ja nur Antisemiten am Werk sein, im Zweifelsfall sogar Juden oder Israelis, die dann bedarfsweise zu „selfhating Jews“ deklariert werden. Das findest Du absurd? Frag mich mal, wie ich das finde.

Aktuelles Beispiel: In Frankfurt sollte eine Konferenz zum 50. Jahrestag der israelischen Besatzung stattfinden, organisiert vom Deutschen Koordinierungskreis Palästina-Israel KoPI, hochkarätig besetzt u.a. mit den jüdisch-israelischen Professoren Ilan Pappe und Moshe Zuckermann. Der Frankfurter Bürgermeister Uwe Becker entblödet sich nicht, die Veranstaltung zu verbieten. „Antisemitisch“.  „So etwas dulden wir nicht in unserer Stadt.“ Hunderte von Mails erreichten den Vermieter in Frankfurt – die meisten mit dem gleichen Wortlaut. Aber nicht Aufrufe, die Meinungsfreiheit nicht mit Füßen zu treten, nein. Mails, die Druck machen, um nur ja nicht Menschen öffentlich sprechen zu lassen, die eine unbequeme Meinung zu Israels menschenverachtender Politik haben und diese auch noch wissenschaftlich begründen. Arnd Festerling schrieb dazu einen mutigen Kommentar in der Frankfurter Rundschau.

Einen ähnlichen Vorgang gab es im Vorfeld eines Benefizkonzerts für Gaza im Münchner Vorort Gräfelfing – da blieb die Bürgermeisterin Uta Wüst standhaft. Trotz etwa Hundert Mails mit Drohungen, Aufrufen, Beschwörungen – und Verleumdungen gegen die „antisemitische Israel-Hasserin Nirit Sommerfeld“. Wenn’s nicht so dramatisch schlimm bestellt wäre um eine unserer größten Errungenschaften – das Recht auf freie Meinungsäußerung – dann würde ich bei diesem absurden, leicht widerlegbaren Vorwurf gegen meine Person einfach nur ganz, ganz, ganz laut lachen. LOL.

Bei aller Ernshaftigkeit: Wir lassen uns die Freude am Leben ebenso nicht verbieten wie den Mund!!!

Kommt also zu den Veranstaltungen – siehe unten – und diskutiert mit!


Film: Israel vs Israel

Heute Abend, 29. März 2017, 19:30 Uhr
Israel vs Israel
Preisgekrönter Dokumentarfilm des schwedischen Filmemachers Terje Carlsson

Bildergebnis

Carlsson begleitet Friedensaktivisten in Israel, die sich für die Beendigung der Besatzung des Westjordanlandes einsetzen und Palästinenser im Alltag unterstützen – an den Checkpoints, bei Angriffen jüdischer Siedler auf Palästinenser und bei Auseinandersetzungen mit der Besatzungsarmee.

Anschließend wird es ein Gespräch geben, zu dem ich als Geschäftsführerin von BIB e.V. eingeladen bin und in dem ich über meine persönlichen Erfahrungen in Israel und in der Westbank erzählen werde und für Fragen zur Verfügung stehe.


Ausstellung: Putin, Putin …

Morgen Abend, 30. März 2017, 19 Uhr

Putin, Putin…

Porträtbilder von Ira Blazejewska
in der
Galerie Christoph Dürr
Hübnerstr. 5, 80637 München

Putin – der Mann mit den tausend Gesichtern, polarisierende Projektionsfläche.

Durch Kunst entsteht Distanz, durch Distanz wird Vertiefung möglich, das großzügige Zulassen der widersprüchlichsten Aspekte des betrachteten Objektes.
Putin – eine Investigation jenseits von
„Puting“ und „Putinbashing“.

Zur Einführung werden
Elena Fedorova und Karl Detering sprechen.

Außerdem werden wir am Vernissage Abend gegen 21.00 Uhr diskutieren: Russland.Kultur.Putin.

Elena Fedorova (managing director Atelier Alen Contemporary Art), Nirit Sommerfeld (Schauspielerin und Aktivistin) und weitere interessante Gäste werden sich mit uns austauschen.

Konzert und Workshop

Liebe Brieffreundin, lieber Brieffreund!

Das letzte Benefiz-Konzert für Gaza von Michael Leslie in Gräfelfing, zu dem ich die Einführungsrede halten durfte,  war mit etwa 220 Zuschauern und einem Reinerlös von über 3.000 € ein großer Erfolg – trotz massiver Proteste, die die Gemeinde Gräfelfing erreichten gegen diese angeblich „antisemitische und israelfeindliche“ Veranstaltung. Meinen anfänglichen Ärger über diesen groben Unsinn konnte ich sowohl in meiner Rede widerlegen als auch bald nach dem Konzert ablegen und hege nun die Hoffnung, dass die Protestierer (ja, es standen einige Leute mit Flugblättern vor dem Gräfelfinger Bürgerhaus und ein kleines Polizeiaufgebot war auch bestellt!) sich irgendwann mal ernsthaft mit mir auseinander- oder besser noch zusammensetzen und ich ihnen begreiflich machen kann, warum auch hier bei uns in Deutschland ein Ringen um Gleichheit und Gerechtigkeit für Palästinenser sowie um das Ende der israelischen Besatzung die einzige Chance ist, Israel davor zu bewahren, sich selbst abzuschaffen.

Ganz abgesehen davon, dass es bei dem Abend um ein Konzert (!) ging mit Werken von Bach, Beethoven und Liszt (!!) und dabei die 30 Artikel der Menschenrechte (!!!) verlesen wurden.

Was ist es nur, dass manche Menschen davor solche Angst haben?!

Ich freue mich auf ein Wiedersehen, vielleicht ganz bald bei meinem Konzert am kommenden Sonntag oder meinem Präsenz-Workshop am 18.3. – siehe unten!

Herzlichst,


KlezMeshugge!

Im Rahmen der Ausstellung „Luthers Sündenfall gegenüber den Juden“ in der Grafinger Auferstehungskirche spielen wir ein gut einstündiges Konzert aus unserem Programm Nicht ganz kosher!.  Die Ausstellung wird bereits am 10. März eröffnet und kann bis zum 2. April besucht werden. Alle weiteren Infos HIER im Flyer.

KlezMeshugge oder Was es bedeutet,
als Jüdin in Deutschland zu leben

Konzert mit dem ORCHESTER SHLOMO GEISTREICH Trio
Sonntag, 12. März 2017, 19 Uhr
Auferstehungskirche Grafing, Glonner Str. 7
mit Andi Arnold, Klarinette und
Pit Holzapfel, Gitarre, Posaune und Klangkreationen


Workshop: Präsenz, Wahrnehmung, Ausstrahlung

Willst Du einen ganzen Tag mit mir verbringen und Deine Wahrnehmung schärfen, etwas über Deine Präsenz erfahren und lernen, wie Du diese schulst und einsetzt? Die nächste Gelegenheit ist der ganztägige Workshop am 18. März im Freien MusikZentrum München. Anmeldung und alle weiteren Infos HIER.

Ein Tag mit Nirit

Ganztägiger Workshop mit Übungen und Spielen zu
Präsenz, Wahrnehmung, Ausstrahlung
Freude und Anregung garantiert!
Samstag, 18. März 2017, 10 – 17 Uhr
Freies MusikZentrum
Ismaninger Str. 29
81675 München
Anmeldung nur über FMZ möglich

PS: An diesem Samstag wird um 17 Uhr im Münchner Gasteig die Fotoausstellung JERUSALEM – UNHEILIGE STADT mit Fotografien von Wolfgang Strassl eröffnet. Wer mag, kann nach dem Workshop gerne mit mir hingehen.


Ich freue mich auf ein Wiedersehen!

Meine Seite wurde gehackt!

Liebe Leserin, lieber Leser!

Diese Website ist gestern, am 28. Februar 2016 ebenso wie die Seite unseres Bündnisses BIB e.V. (www.bib-jetzt.de) unter eine massive Hackerattacke gekommen. Sie konnte bisher nur teilweise wieder hergestellt werden. Viele Inhalte fehlen noch.

Die Website von BIB wird hoffentlich im Laufe des Tages wieder aufgebaut werden können.

Wer oder was dahinter steckt, können wir im Moment noch nicht sagen.

Sorry für die Umstände und Danke fürs Vorbeischauen,

Nirit

 

 

 

Es gibt nichts Gutes, außer man tut es

Liebe Wegbegleiterinnen und Freunde!

Viel zu viel wird über das Trumpeltier gesprochen und berichtet – ich empfehle, informiert und wachsam zu bleiben und sich dabei nicht ununterbrochen mit seinen geistlosen Ergüssen zu befassen. Keith Olbermann vom Magazin GQ empfiehlt gar der Presse: „Don’t cover Trump!“.

Hingegen gibt es durchaus Positives zu sehen (wann sind z.B. in den letzten Jahren so viele Frauen solidarisch vereint zusammen mit Männern auf die Straße gegangen?!), zu berichten und vor allem: Mensch kann selbst an allerlei Gutem teilhaben und sich daran bilden und erfreuen. Hier ein paar Empfehlungen:


Unser neues Video ist da! Der knapp 4-minütige Mitschnitt unseres Konzertes Nicht ganz kosher! vom Oktober 2016 zeigt einen Querschnitt durch unser neues Programm mit vielen neuen Songs, Texten und Szenen. Viele stammen aus unserer eigenen Feder, einige auch von befreundeten Kollegen wie Bodo Wartke und Yale Strom. Wir freuen uns auf Eure Kommentare!


Am Montag, den 6. Februar 2017 wird um 18 Uhr im Werkstattkino München, Fraunhoferstr. 9, der Film Maksoon gezeigt.

Haunted (Maskoon, مسكون)
ein Film von Liwaa Yazji, Syrien 2014, 112 min
Arabisch mit deutschen Untertiteln

„Haunted“ erzählt vom Verlust von Heimat und Sicherheit, von der realen und metaphorischen Bedeutung, die ein Haus, ein Heim im Leben eines Menschen hat. Die FAZ schrieb: Der Film „Haunted“ zeigt auf eindringliche Weise, dass die Flüchtlingskrise nicht vor den Toren Europas begann, sondern in den zerstörten Wohnzimmern von Damaskus und Aleppo.“


Am Dienstag, den 7. Februar 2017 findet ein weiteres Mal das Benefizkonzert für Gaza statt, das im vergangenen Jahr auf Grund meiner Teilnahme abgesagt wurde. Erfreulicherweise finden sich aber immer wieder wunderbare Unterstützer, die sich für Aufklärung, Gerechtigkeit und Hilfe für die notleidende Bevölkerung Gazas einsetzen.

Der Pianist Michael Leslie spielt Werke von Bach, Beethoven, Schumann und Liszt;
der Schauspieler Christian Schneller liest dazwischen alle Artikel der Charta für Menschenrechte;
ich spreche einige einführende Worte zu Israel und Palästina, insbesondere zu Gaza.

(Hier das vergrößerte Plakat zum Download)

Ort der Veranstaltung ist diesmal das Bürgerhaus Gräfelfing, Beginn ist um 20 Uhr. Alle weiteren Infos zu diesem Konzert HIER.


Und schließlich möchte ich Euch alle auf unseren BIB Blog mit dem BIB Thema der Woche aufmerksam machen. Jeden Montag präsentieren wir vom Bündnis zur Beendigung der israelischen Besatzung BIB e.V. ausführlich ein Thema, das in direktem Zusammenhang mit der Besatzung steht. Aktuell findet Ihr – passend zum Konzert kommende Woche – einen Artikel zu Gaza.


Ich freue mich auf ein Wiedersehen – am liebsten live, ansonsten auch gerne hier im Netz und im Gästebuch!

Herzlichst,


Nirit

Advent, Advent …

Auch wenn mir die Temperaturen nicht behagen, so finde ich doch diese Zeit der langen Sonnenauf- und untergänge, der kurzen Tage und der langen Abende, der raureifgeschmückten Bäume und Gräser, der kerzenlichtdurchströmten, warmen und nach Gebäck oder warmen Suppen duftenden Wohnküchen zauberhaft. Auch freue ich mich immer wieder, unsere musikalische Lesung JIDDISCHE WEIHNACHT in der Vorweihnachtszeit spielen zu dürfen, wie geschehen letzte Woche in Mühlhausen im Kraichgau und am kommenden Sonntag, den 11. Dezember um 20 Uhr im Gut Sonnenhausen bei Glonn. Mit von der Partie sind wieder der Schauspieler Martin Umbach, der lesend den literarischen Part übernimmt, sowie die „Kammerformation“ des ORCHESTER SHLOMO GEISTREICH mit Andi Arnold an der Klarinette und Robert Probst am Klavier.

Demnächst gibt es von unserem ORCHESTER ein neues Musikvideo, aber daran wird momentan noch gebastelt und geschnitten. Vielleicht gelingt es uns aber noch rechtzeitig vor Weihnachten, Euch damit eine kleine Freude zu bereiten. Wenn Ihr uns eine Freude machen wollt, dann schreibt uns doch ins Gästebuch, schlagt uns neue Spielorte vor oder erzählt uns einfach, was Euch bewegt. Auf der Webseite unseres ORCHESTER SHLOMO GEISTREICH könnt Ihr jetzt auch die neuesten Kritiken unserer letzten kleinen Tour nachlesen; vielleicht inspiriert das ja die eine oder den anderen zu einem baldigen Konzertbesuch.

Und noch etwas liegt mir sehr am Herzen – wo wir schon bei Freude sind: Das Bündnis zur Beendigung der israelischen Besatzung, kurz BIB, zu dem  mich letztes Jahr der leider viel zu früh verstorbene Rupert Neudeck animierte und den ich im Sommer mitgegründet habe, ist jetzt offiziell als BIB e.V. registriert und auch die Bestätigung der Gemeinnützigkeit ist nur noch Formsache. Daher haben wir jetzt einen bundesweiten Spendenaufruf gestartet und fragen landauf, landab alle netten Menschen wie DICH, ob sie nicht mit einem Jahresbeitrag von 100 € BIB Fördermitglied werden wollen (das sind genau 8,33 € pro Monat –> HIER geht’s zum Antragsformular). Damit kannst Du ganz direkt mich und meine Arbeit unterstützen und an meiner Seite und an der Seite vieler engagierter Frauen und Männer für die Beendigung der israelischen Besatzung kämpfen und dafür einstehen, dass Israelis und Palästinenser eines Tages gleichberechtigt in Frieden und Freiheit neben- und miteinander leben können. Mehr Infos dazu auf der BIB Website.

Das käme einem Wunder gleich, meinst Du, wenn das geschehen würde?! Nun, wir Juden feiern demnächst das Fest Chanukka, das Fest der ‚Geweihten Nacht‘, in dem es um das Ölwunder geht. In der JIDDISCHEN WEIHNACHT erzählen wir das so, gelesen von Martin Umbach und gefolgt von einer Aufnahme des Stückes Ssura! aus der gleichnamigen CD von 2009:

Wenn also schon vor über 2.000 Jahren solche Wunder geschahen – wer will da mit Gewissheit behaupten, das sei heute nicht mehr möglich?! Einstein meinte ja, wer nicht an Wunder glaube, sei kein Realist. Daher pflege ich – bei allen religiösen Zweifeln – gerne diese Tradition und zünde jeden der acht Chanukka-Tage die Kerzen unseres Chanukka-Leuchters an und denke dabei an die Worte meines von Nazis ermordeten Großvaters Julius, die er mir einst im Traum flüsterte: „Das Licht ist es, das uns erhellen kann. Die Finsternis zu vertreiben aus den Häusern und den Herzen, das ist höchste Menschenpflicht!“
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In diesem Sinne wünsche ich all meinen Freundinnen und Freunden, LeserInnen, Followern – und auch allen, die mir nicht so wohlgesonnen sind (jenen ganz besonders) – viel Licht, Liebe und Wärme im Herzen und in den Köpfen und wunderbare Feiertage!

Herzlichst,

NL_Signatur2013

Zum Denken und Gedenken

Dieser Stolperstein wurde 2014 gegenüber dem Platz verlegt, der einst Wohn- und Geschäftshaus der Familie Sommerfeld war, der später von den Nazis enteignet und zu einem 'Jüdischen Altersheim' umfunktioniert wurde. Tatsächlich war es die Sammelstelle für Chemnitzer Juden vor dem Abtransport in die Vernichtungslager.
Dieser Stolperstein wurde 2014 gegenüber dem Platz verlegt, der einst Wohn- und Geschäftshaus der Familie Sommerfeld war, der später von den Nazis enteignet und zu einem ‚Jüdischen Altersheim‘ umfunktioniert wurde. Tatsächlich war es die Sammelstelle für Chemnitzer Juden vor dem Abtransport in die Vernichtungslager.

Letztes Jahr um diese Zeit habe ich hier ein Video gepostet, in dem unsere Hundedame Bobby und ich Stollen backen, und zwar nach einem Rezept meiner Mutter, das sie wiederum nach den Erinnerung meines Vaters zusammen gestellt hatte. Mein Vater war in Chemnitz geboren und aufgewachsen, und obwohl seine Mutter, meine Großmutter Margarete, kosher kochte und auch ansonsten einige jüdische Traditionen pflegte, durfte um die Weihnachtszeit der Chemnitzer Christstollen nicht fehlen. Diese Geschichte war nicht nur Inspiration für das kleine Video, das ich Euch hier nochmals verlinke, sondern auch für unser literarisches Konzert JIDDISCHE WEIHNACHT, das wir seit Jahren immer in der Vorweihnachtszeit spielen und das meinem Großvater Julius gewidmet ist, der im KZ Sachsenhausen ermordet wurde. Termine finden sich in meinem Kalender. Und das Rezept für den besten Stollen der Welt versteckt sich hinter diesem LINK.


Andi Arnold und Robert Probst bilden mit mir zusammen das ORCHESTER SHLOMO GEISTREICH Trio
Andi Arnold und Robert Probst bilden mit mir zusammen das ORCHESTER SHLOMO GEISTREICH Trio. Foto: Jens Heilmann

Unsere kleine Tour mit dem ORCHESTER SHLOMO GEISTREICH Trio führt uns vom 30.11. bis 3.12. ins Schwäbische:

30.11.: Nicht ganz kosher! in Pfullendorf

1.12.: Nicht ganz kosher! in Nürtingen

2.12.: JIDDISCHE WEIHNACHT mit Martin Umbach in Mühlhausen im Kraichgau

3.12.: Nicht ganz kosher! in Neustadt an der Weinstraße

Am 11.12. spielen wir noch einmal die JIDDISCHE WEIHNACHT in Sonnenhausen .


Es gibt nichts Schöneres, als diesen Abend mit dem Publikum zu teilen!
Präsenz und Ausstrahlung kann man deutlich erhöhen durch Übung und Wahrnehmung. Foto: Jens Heilmann

Wer hat Lust, einen ganzen Tag mit mir zu verbringen und sich an Wahrnehmung, Präsenz und Ausstrahlung auszuprobieren?  Die nächste Gelegenheit dazu hast Du am Samstag, den 26. November von 10 – 17 Uhr im Freien MusikZentrum in München, Ismaninger Straße 29. Anmeldung und Infos bitte rechtzeitig übers FMZ. Näheres dazu HIER.


Jetzt möchte ich Euch noch das Projekt CONFLICTFOOD vorstellen, dessen Initiator ich kürzlich in Berlin kennengelernt habe und das mich derart begeisterte, das ich es hier mit Euch teilen und Euch sogar um Eure tatkräftige Unterstützung bitten möchte. Denn hier haben ein paar junge Menschen wirklich eine große Idee gehabt: Sie reisen persönlich in Krisen- und Konfliktregionen dieser Welt, um vor Ort die besten landestypischen Agrarprodukte zu finden und einen direkten Handel mit Kleinbauern zu betreiben. Dadurch wollen sie den Menschen dort langfristig eine Perspektive schaffen, lokale Strukturen stärken und Fluchtursachen an der Wurzel bekämpfen. In Afghanistan arbeiten sie bereits mit einer Frauenkooperative zusammen, die Safran anbaut, wo früher Mohn wuchs…

Aktuell läuft noch acht Tage lang eine Crowdfunding Kampagne, mit der CONFLICTFOOD Geld für ein Projekt in Palästina sammelt. Es wäre wunderbar, wenn wir gemeinsam das Ziel von 15.000 € erreichen würden! HIER geht’s zur Kampagne . Bitte schaut Euch das an und lasst Euch mit mir begeistern! Und seid ruhig großzügig – es kann gar nicht genug Gutes in der Welt hin und her fließen.


Und zum Schluss etwas ganz Aktuelles: Dass Kritik an der israelischen Politik immer häufiger mit Antisemitismus verwechselt wird, bekommen wir ja alle dauernd mit. Der Beitrag ‚Vorwurf und Vorurteil‘ in der SZ vom 8.11.16 macht das mal wieder deutlich. Was und wie gerade Israelis aus großer Sorge um ihr Land kritisieren und warum sie besonders die Unterstützung von Juden und nichtjüdischen Freunden aus aller Welt brauchen, das wird Prof. Daniel Bar Tal aus Tel Aviv bei einem ‚Liberalen Brunch‘ erläutern, zu dem der Rechtsanwalt Hildebrecht Braun am 14.11. in München geladen hat. Das Gespräch wird ausschließlich auf Englisch geführt und es stehen nur noch wenige Plätze zur Verfügung. Bei Interesse kann man unter dieser Email anfragen: sekrbraun@googlemail.com

Bei allen, die bis hierhin gekommen sind, bedanke ich mich sehr herzlich und wünsche uns allen einen schönen Herbst, keine Erkältung und ein baldiges Wiedersehen, live und lebendig oder zur Not auch virtuell. Wer mir schreiben möchte, benutze doch bitte das brandneu eingerichtete Gästebuch.

Auf bald,

NL_Signatur2013

Und wer immer noch weiterlesen möchte: Der Münchner Stadtdekan a.D. Hans Dieter Strack hat zu den Ereignissen nach meiner Performance in der Erlöserkirche einen Leserbrief an die SZ geschrieben, der leider nicht veröffentlicht wurde. Hier kann man ihn nachlesen:

Es ist ein Skandal! Über 30 Jahre lang habe ich Reisegruppen durch Israel geführt, habe sie mit der jüdischen Tradition bekannt gemacht und mit der zionistischen Hoffnung auf ein eigenes Land. Ich bin dankbar für unzählige Gespräche mit Juden, die Deutschland bzw. Europa verlassen mußten und die mir, Jg.1939, offen und versöhnungsbereit begegnet sind. Daraus sind bleibende Freundschaften gewachsen, die ich nie mehr vergessen werde und die zu meinem Leben gehören. Und jetzt? Jetzt werde ich zum “Antisemiten” gestempelt, weil ich die Besatzungspolitik Israels kritisiere, weil ich nicht zusehen kann, wie den Palästinensern ihre Lebensgrundlagen, das Wasser, die Bewegungsfreiheit, die eigenen Häuer genommen werden. Ich leide darunter, auch wenn es pathetisch klingt, daß Israels Sicherheitsdenken alle Friedensbemühungen untergräbt und sich nur noch auf Waffen verläßt, wie dieser Staat, den ich so liebe, seine eigene Zukunft gefährdet. Und wenn schon mir es so geht, mir und vielen anderen, wie erst muß eine Frau empfinden wie Nirit Sommerfeld, eine Grenzgängerin zwischen Deutschland und Israel, die in Sorge ist um ihre israelische Heimat, die sich mit ihrer Kunst und ihrem ganzen Leben einsetzt für den Dialog und für den Frieden? Nein, nicht “eine Gruppe von Münchnern” hat sich an die Leitung der Evang.Luth.Kirche in Bayern gewandt, sondern eine Splittergruppe selbsternannter und blinder Verteidiger Israels, die sich nur leider gedeckt weiß von der offiziellen Lesart der Israelitischen Kultusgemeinde. Wir trauern in diesen Tagen um Max Mannheimer, diesen unbestechlichen und manchmal unbequemen Zeitzeugen, der die besten Traditionen des jüdischen Glaubens verkörpert hat. Er wurde nicht müde, der jungen Generation von heute ihre geschichtliche Verantwortung nahe zu bringen, damit das, was geschehen ist, nie wieder geschieht. Diese Verantwortung aber gilt immer und überall, sie gilt auch und besonders angesichts der besonderen Verantwortung Deutschlands gegenüber Israel. Hans Dieter Strack (Stadtdekan a.D.)

Manchmal sprachlos – niemals mundtot!

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Stumme Performance vor der Erlöserkirche München Schwabing am 30. September 2016

Eigentlich müsste ich meinen Diffamierern dankbar sein, dass ich durch sie so eine große Plattform bekommen habe, um meine Stimme öffentlich erheben zu können für die Menschen in Gaza. Am Freitag Abend konnten sowohl Michael Leslie als auch ich in der Münchner Erlöserkirche frei und ausführlich darüber sprechen, was uns dazu bewegt, uns für die Einhaltung von Menschenrechten in Palästina und Gaza mit all unserer Kraft und Überzeugung einzusetzen. Auch ist ein neuer Termin fürs Benefizkonzert gefunden: Thomas Vogler stellt am 13. Oktober um 20 Uhr seine Jazzbar Vogler in der Rumfordstraße 17 in München für die Veranstaltung zur Verfügung! Ein ungewöhnlicher und besonderer Ort für Bach und Beethoven — aber womöglich würden sich die beiden dort besonders wohl fühlen. Ich werde  die Einführungsrede halten, Michael Leslie wird Klavier spielen und der Schauspieler Christian Schneller wird die Artikel der Erklärung der Menschenrechte zwischen den Musikstücken verlesen. Danach wird es Gelegenheit zum Gespräch geben.

Auch wenn es jetzt verschiedene Darstellungen der Ereignisse gibt, eines steht fest: Es sollte verhindert werden, dass vor allem ich mich zu der Situation in Israel/Palästina äußere. Darüber wird noch gesprochen werden müssen. Wichtig ist aber erst einmal: Endlich haben wir in München, vielleicht sogar in Deutschland eine öffentliche Diskussion zum Thema ‚Maulkorb für Israelkritiker‘. Dafür danke ich allen, die solidarisch hinter mir standen, Mails weiterleiteten, Kommentare und Protestbriefe schickten; vor allem danke ich der Süddeutschen Zeitung, die am Freitag ausführlich über die Vorfälle und am Samstag über die Performance und das Gespräch in der Kirche berichtete.

Im Grunde wünsche ich mir jedoch, dass diese Diskussion sehr bald in den Hintergrund tritt zugunsten einer anderen, viel bedeutsameren Diskussion darüber, wie wir von Deutschland aus dazu beitragen können, in Israel die Menschen zu stärken, die sich sehnlichst einen Wandel der Politik in ihrem Lande wünschen. Einen Wandel, der jüdischen Israelis ebenso zugute kommen würde wie ihren muslimischen, christlichen, palästinensischen und anderen nicht-jüdischen Mitbürgern im israelischen Kernland sowie den Palästinensern in der besetzten Westbank und dem Gazastreifen. Dass dabei die Besatzungspolitik in die Kritik gerät, ist unvermeidbar. Das hat eine Gruppe israelischer und jüdischer Intellektueller und Künstler dazu bewogen, eine Initiative ins Leben zu rufen, die sich SAVE ISRAEL – STOP the OCCUPATION, kurz SISO nennt. Im vergangenen Jahr war ich maßgeblich an der Entstehung und Ausformulierung dieser Initiative beteiligt.

Es mag überraschen, dass hinter aller Kritik der große Wunsch nach Frieden, Versöhnung, Sicherheit und Gerechtigkeit für ALLE, ja sogar eine Liebe zu diesem Land steckt. In seinem heutigen Kommentar in der israelischen Tageszeitung Ha’aretz bringt der  Journalist Gideon Levy es auf den Punkt: „(…) An diesem Freitag (der Beerdigung von Shimon Peres) gab die Welt ein äußerst klares, entschiedenes Statement ab: Wir lieben Israel und hassen seine Politik; wir lieben es, Israel zu lieben, sehnen uns danach, uns ihm mit zu verbünden und es zu bewundern — nur bitte gebt uns ein Zeichen, eine Andeutung, einen Hinweis. Zeigt uns, dass Ihr auf Frieden zusteuert, oder dass Ihr zumindest irgend etwas unternehmt, um die Besatzung zu beenden — eine Rede, Verhandlungen, eine Konferenz, ein Lippenbekenntnis, irgend etwas! — und wir werden Euch mit unserer Liebe überhäufen — mehr noch, als Ihr es verdient. Ihr werdet nicht mehr ausgeschlossen sein. (…)“. Hier der gesamte Artikel auf Englisch.


Danke nochmals an alle Unterstützer! Ich freue mich, viele von Euch am 13. Oktober um 20 Uhr in der Jazzbar Vogler und/oder am 14. Oktober um 20 Uhr beim Jakobmayer in Dorfen beim Konzert mit meinem ORCHESTER SHLOMO GEISTREICH und unserem neuen Programm Nicht ganz kosher! zu sehen.

Herzlichste Grüße und Shana tova („Gutes Neues Jahr“; nach dem jüdischen Kalender beginnt es heute Abend) und beste Wünsche für ein friedvolles, gesundes, versöhnliches und allseits freundlicheres Neues Jahr 5777,

NL_Signatur2013


Hier noch einige Bilder vom Freitag Abend.

performance_anfang
Beginn der Performance; Foto: Linda Benedikt
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Etwa 90 Leute versammelten sich auf dem Platz vor der Kirche Foto: Linda Benedikt
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Foto: Wolfgang Nies-Sreter
performance_fuad
Ende der Performance; Foto: Wolfgang Nies-Sreter
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Michael Leslie, Pfarrer Raabe und ich vor etwa 140 Zuhörern in der Erlöserkirche Foto: Wolfgang Nies-Sreter

 

Benefizkonzert von Michael Leslie abgesagt

Nach schlaflosen Nächten und reiflicher Überlegung hat der Konzertpianist und Initiator des für Freitag geplanten Benefizkonzertes für Gaza, dessen Erlös medico international zugute kommen sollte, seine Veranstaltung abgesagt. Hierzu schrieb er folgende mutige Begründung:

“ (…) Nach Weisung des Kirchenvorstandes wurde mir eine Kompromislösung für das Konzert am 30.9. dargelegt – Begrüßung, Musik, Menschenrechtslesung, Applaus, Ende. Kein Beitrag von Nirit Sommerfeld. Die Begründung, dass Frau Sommerfeld keine einführenden Worte spricht, lautet: Ein Benefizkonzert ist keine politische Veranstaltung und darf nicht in eine solche ausarten.
Für mich ist es nicht akzeptabel, dass in die Gestaltung meines Benefizkonzertes in dieser Weise eingegriffen wird. Ich bin nicht bereit, ein Spielball in irgendwelchen  Machenschaften zu werden, faule Kompromisse einzugehen oder gar mir vorschreiben zu lassen, mit wem ich bei meinen Benefizkonzerten zusammenarbeite. Aus diesem Grund sehe ich mich veranlasst, das Benefizkonzert im Gemeindesaal der Erlöserkirche abzusagen.
Ich werde es in dieser Konzeption zu anderer Zeit und Ort auf jeden Fall aufführen. (…) “

Trotz der Absage werden Michael Leslie, der Pfarrer der Erlöserkirche und ich ab 19 Uhr vor dem Gemeindehaus der Erlöserkirche in der Ungererstr. 17 in München stehen. Es bleibt bei meiner kleinen Performance und ich bitte alle, die kommen und ihre Solidarität zeigen, mit mir gemeinsam beredt zu schweigen.