Solidarität gefordert! Ich werde diffamiert.

Liebe Freundinnen und Freunde,

wie angekündigt, sollte ich am kommenden Freitag eine kurze Rede zur Einführung eines Benefizkonzertes für Gaza in der Erlöserkirche München Schwabing halten, dessen Erlös medico international zukommen soll. Nun hat eine kleine Gruppe selbsternannter Antisemitismusjäger derartig Druck auf die Kirche gemacht – mit Verleumdungen und Hasstiraden gegen mich, aber auch gegen medico international, Brot für die Welt, Misereor (!) und andere Personen und Institutionen, die gar nicht im Zusammenhang stehen mit der geplanten Veranstaltung – , dass ich vom zuständigen Pfarrer ausgeladen wurde. Das Konzert könne stattfinden, wenn er an meiner Stelle die Einführungsrede hielte; dazu sei er von höherer Stelle angewiesen, denn es gebe in der evangelischen Landeskirche „Vorbehalte gegen meine Person“, so der Pfarrer wörtlich. Welche Vorbehalte, konnte er mir nicht sagen. Eine Klärung sei erst zu einem späteren Zeitpunkt möglich – jetzt solle doch erst einmal das Konzert in Ruhe stattfinden können, das sei doch in unser aller Interesse.

Fraglos unterstütze ich die Durchführung dieses Konzertes, bei dem übrigens zwischen den Musikstücken die Charta der Menschenrechte vorgelesen wird, und werde am Freitag auch anwesend sein. Ich werde aber – wenn auch schweigend – deutlich machen, was es heißt, mir als gebürtiger Israelin, als in Deutschland lebender Jüdin, als der Gerechtigkeit und der Versöhnung verpflichtete Demokratin, als Geschäftsführerin von BIB und nicht zuletzt als Künstlerin im Jahre 2016 in München den Mund zu verbieten.

Wer immer in der Nähe ist – Euch alle möchte ich einladen, ab 19 Uhr meiner kleinen Performance beizuwohnen und anschließend das Konzert um 19:30 Uhr im Großen Gemeindesaal der Erlöserkirche München Schwabing, Ungererstraße 17 zu besuchen – schweigend. Ich möchte keinen Tumult, keinen Streit, kein Geschrei.

Nach dem Konzert gibt es sicherlich Gelegenheit zum Gespräch.

Ich hoffe, viele von Euch übermorgen zu sehen, und grüße –
diesmal ziemlich fassungslos,
manchmal sprachlos,
niemals mundtot,

NL_Signatur2013

13 Gedanken zu „Solidarität gefordert! Ich werde diffamiert.“

  1. Liebe Nirit,
    ausgerechnet dir passiert so etwas ! Ich unterstütze dich still , indem ich am Freitag kommen werde,wenn möglich. Momentan kann ich es nicht sicher sagen, habe Magen/ Darm Grippe. Liebe Grüße von Eva

  2. Hallo Nirit, leider sind wir auch nicht da. Ich bin schon enttäuscht und hatte erwartet, dass die bayerische Landeskirche souveräner ist. Irgendwann ist eine öffentliche Diskussion dieses Verhaltens sicher notwendig.

    Herzliche Grüsse

    Claudia

  3. mit Bestürzung habe ich von der Diffamierung Kenntnis genommen. Wo leben wir?.
    Die Stadt knickt ein und die Kirchen sowieso . Rueckgrad? Eine ungeliebte Gruppe uebt sich in Verhetzung und hat Narrenfreiheit.
    Kopf hoch! Meine Sympathie haben Sie. Alle Ihre Veranstaltungen waren ein Hochgenuss

  4. Für mich ist es ein absolutes MUSS, dich irgendwie gegen diese Diffamierung zu schützen. Leider lebe ich weit weg in Berlin, rufe aber jeden/jede dazu auf, wenn es irgendwie geht, an der Veranstaltung unbedingt teilzunehmen und sich dadurch mit dir solidarisch zu zeigen. Wenn es noch andere Möglichkeiten gibt, bitte melden!!!

  5. wer weiß, was und wen wir kritisieren.
    wer weiß wen diese falschen freunde israels verteidigen
    der weiß, die wahren antisemiten sind sie.

    sie missbrauchen die opfer des holocaust
    um eigenes unrecht, das unrecht der neuen täter zu decken.

    erich fried hat die richtigen worte dafür gefunden:

    Eure Toten –
    Die Palästinenser an die Zionisten

    Eure Toten
    eure toten Eltern und Großeltern
    eure toten Brüder und Schwestern
    auf die ihr euch immer beruft
    eure Toten die euer Trumpf sind
    eure Toten für die ihr euch Geld bezahlen laßt
    als Wiedergutmachung
    sie sind nicht mehr eure Toten

    Ihr habt eure Toten verloren
    denn eure Toten
    das waren die Opfer der Mörder
    die Gerechten die Unterdrückten:
    Die Machtlosen die Verfolgten
    die ermordeten Widerstandskämpfer
    und ihre Kinder
    das waren eure Toten

    Jetzt aber seid ihr Machtanbeter und Mörder geworden
    und werft Bomben auf eure Opfer wenn sie sich wehren
    Ihr vertreibt die Machtlosen aus ihren niederen Hütten
    Ihr kommt rasselnd in rasenden Panzern
    Ihr laßt das Sprühgift
    aus euren Flugzeugen regnen
    nieder auf unsere Felder
    und euer Napalm auf unsere Frauen und Kinder

    Glaubt ihr denn eure Toten würden euch wiedererkennen
    versteckt in eure Panzer und Kampfflugzeuge?
    Eure Toten sind übergegangen zu uns
    Opfer zu Opfern
    Verfolgte zu Verfolgten
    denn die Ermordeten sind der Ermordeten Brüder und Schwestern
    und nicht die der Mörder
    Eure Toten wollen euch nicht mehr kennen

    Darum beruft euch lieber nicht mehr auf eure Toten
    um die Welt schweigen zu machen jedes Mal wenn ihr tötet
    Darum tut lieber nicht mehr
    als wären sie das gewesen was ihr seid
    als wäret ihr wirklich noch ihre echten Kinder und Enkel
    denn ihr habt Verrat begangen an ihrem Leben und Sterben
    als ihr eingetreten seid in die Dienste derselben Ordnung
    die eure Toten gequält und getötet hat

    Eure Toten sind nun zu Gast bei unseren Toten
    die versuchen sie zu beruhigen daß ihr vielleicht nur
    aus Unwissenheit und aus Dummheit tut was ihr tut
    Doch eure Toten sagen ihr seid immer so klug gewesen
    die klügsten Kinder der Welt
    und sie können euch nicht mehr verstehen
    Und unsere Toten wollen sie trösten und sagen
    daß nur die Macht der Mächtigen euch so verlockt und verwirrt hat
    und daß ihr vielleicht es noch sehen und doch noch umkehren werdet
    statt so zu sterben daß eure Toten euch nicht mehr kennen

  6. Letzte Woche wurden drei Einrichtungen, die ihre Räume für einen Vortrag von Abi (Abraham) Melzer zur Verfügung stellen wollten, so unter Druck gesetzt, dass SalamShalom e.V. die Veranstaltung nicht duchführen konnte und Abi Melzer absagen musste.
    Jetzt werden die Pfarrer der Erlöserkirche und Nirit Sommerfeld unter Druck gesetzt. Welche Gruppe hat da so großen Einfluss? Warum ist sie so hassvoll? Was bedeutet diesen Menschen Meinungsfreiheit in einem demokratischen Staat?

  7. Heute Abend, 28.09., 20:00 Uhr Beginn zeichnet Radio Lora einen Beitrag zu der Absage des Melzer Vortrags auf, bei der auch das Benefizkonzert zur Sprache kommt. Nirit -bitte kommen Sie dazu!
    Angela Krause, SalamShalom

  8. Liebe Nirit,
    Solidaritätsgrüße aus Hamburg. Von der viel beschworenen liberalitas Bavarica ist nichts geblieben. Gerade Jüdinnen Und Juden, die sich mit dem Kampf des palästinenisischen Volkes solidarisieren, werden als „Nestbeschmutzer“ besonders hart angegangen. Ich wünsche dir und den Mitstreiter*innen am Freitag Kraft und Erfolg, und möge der Herr Geist und Erkenntnis auf die bayrische Landeskirche regnen lassen.
    Arne

  9. Menschenrechte VOR Religion!
    Redeverbot ist der Anfang vom Ende!
    Die Besatzungspolitik Israels ist Ursache von Folgeentscheidungen, die große Teile der Welt paralysieren in
    ihrem Fortschritt zu wahrer Humanität!

    Wie war das noch vor kurzem mit der Bücherverbrennung?

  10. Die Kritik an Israels Besatzungspolitik mit Antisemitismus gleichzusetzen, ist ein beliebtes und bewährtes Mittel, kritische Stimmen zum Verstummen zu bringen.
    Als aktives Mitglied der Evangelischen Kirche bin ich empört und traurig, dass sich die Verantwortlichen meiner Kirche nicht differenzierter mit einem derartig hasserfüllten Brief (Autoren sind: Gabriella Meros, Ruth Meros, Ester Weinberger, Helene Weinberger) auseinandersetzen. In der Homepage der Erlöserkirche habe ich übrigens weder die Ankündigung noch die Absetzung des Benefizkonzertes entdeckt! Aber der „Mantel des Schweigens“, der offensichtlich über den Konflikt gebreitet werden soll, hat hoffentlich viele Löcher!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.