Sturm über Ramallah

Seit zwei Tagen tobt ein Sturm über Ramallah, genauer gesagt über der Leiterin der Heinrich-Böll-Stiftung Bettina Marx, die es wagte, in einem Gastbeitrag bei der Deutschen Welle das zu beschreiben, was Millionen Menschen wissen: Die reale Situation der Palästinenser. Diese Millionen wissen das nicht nur, sie kennen diese Situation von innen heraus. Es sind die gut 6 Millionen Palästinenser, die zwischen Mittelmeer und Jordan leben: die zwei Millionen in Gaza (minus 137, die die letzten Wochen aufgrund von Beschuss durch israelische Scharfschützen nicht überlebt haben); die gut drei Millionen, die in den Besetzten Gebieten und Ost-Jerusalem leben (minus eine Handvoll Jugendlicher und junger Erwachsener, die wegen Steinewerfens in den letzten Wochen erschossen wurden), und die knapp zwei Millionen, die in Israel leben. Sie bezeichnen sich selbstironisch als „Araber in Sahne“, weil es ihnen vergleichsweise gut geht. Sie sterben nicht so häufig auf Grund militärischer Gewalt, dafür sitzen etliche von ihnen in israelischen Gefängnissen, wie etwa die Knesset-Abgeordnete Khalida Jarrar, über die Gideon Levy hier schreibt. .

Außer diesen gut sechs Millionen Palästinensern, die gut Bescheid wissen über die Situation, gibt es noch ein paar andere, die Bescheid wissen, zumindest so ungefähr. Du zum Beispiel, wenn Du ab und zu meine Briefe liest oder weil Du vielleicht schon mal nach Israel und Palästina gereist bist und Dir die Sache mit eigenen Augen und von beiden Seiten angeschaut hast. Und noch ein paar Tausend andere wissen auch Bescheid: etwa fünf Millionen Palästinenser*innen weltweit, die Verwandtschaft im Nahen Osten haben, selbst gut integriert in Europa oder Amerika sind oder in irgendeinem Flüchtlingslager leben; Leute, die Newsletter lesen (etwa die Newsletter von Palästina-Nachrichten, BIB, medico international, Palästina-Portal, von JStreet oder von Jewish Voice for Peace) oder die von Berufs wegen mit dem sogenannten „Nahost-Konflikt“ zu tun haben, zum Beispiel Journalist*innen; und Leute, die Bücher von Shlomo Sand und Ilan Pappé oder anderen neuen Historikern gelesen haben oder Romane und Geschichten von Susan Abulhawa, Amos Oz, David Grossman oder Sari Nusseibeh;  und einige Politikerinnen und Politiker wissen auch Bescheid – klar, auch sie von Berufs wegen.

Also gut, vielleicht kommen wir dann doch auf ein paar Zehntausend, womöglich einige Hunderttausend, die Bescheid wissen über das, was Bettina Marx da öffentlich von sich gibt – und die finden, das soll gesagt werden, denn das beschreibt eine große Ungerechtigkeit und das muss die Welt wissen – bestenfalls, um dagegen etwas zu unternehmen. Aber dann gibt es da noch Leute, die wissen entweder genauso gut Bescheid oder überhaupt nicht, und interessanterweise haben diese beiden Gruppen der Wissenden und Nicht-Wissenden ein gemeinsames Interesse: Dass eben nicht erzählt wird, dass die Welt sich darüber nicht aufregen und schon gar nicht etwas dagegen unternehmen soll. Manche dieser Menschen sind sehr, sehr mächtig. Sie veranlassen zum Beispiel den Austritt aus dem Menschenrechtsrat. Manche sind nicht so mächtig – sie greifen lieber zu anderen Mitteln und bemühen sich, die anderen zu etwas zu machen, was die bestimmt nicht sind: zu Verrätern, Israel-Hassern und vor allem zu Antisemiten.

Die gute Nachricht ist: Auf Dauer wird ihnen das alles nichts nützen. Die Wahrheit setzt sich früher oder später durch. Das ist wohl das Einzige, was sich in der Geschichte der Menschheit wiederholt. Schade nur, dass wir noch eine Weile warten müssen. Bis dahin gibt es noch einiges zu tun. Damit die Zeit nicht lang wird, hier einige Tipps zum Lesen und Schauen.


Mein heute erschienener Rubikon-Artikel: Falsches Spiel

Bettina Marx bei Deutsche Welle (und weil sie alles so genau benennt, sehe ich keinen Anlass, dem etwas hinzuzufügen, außer: Leider hat sie Recht.)

… und die unsäglich Forderung der sogenannten „Werteinitiative“, Bettina Marx zu entlassen

Gideon Levy: Wir werden nicht aufhören zu filmen und zu schreiben (dem schließe ich mich an!)


Live und aktuell:

Morgen Abend, 22.6., 19 Uhr  in Berlin:
Mein Vortrag Daheim entfremdet im Ökumenischen Zentrum WILMA

Nächste Woche in München:

Mittwoch, 27.6., 19 Uhr
MUHI– ein kranker Junge aus Gaza wird in Israel behandelt
Monopol Kino
mit Filmgespräch in Anwesenheit von Produzentin Tina Leeb
MUHI Trailer ansehen

Donnerstag, 28.6., 20 Uhr
REALITY CHECK
musikalische Polit-Revue
von und mit Linda Benedikt und Nirit Sommerfeld
KKV Hansa-Haus

Sei herzlichst gegrüßt und bis bald,

Zuschauen, Zuhören, Mitreisen

Vor 14 Tagen ging die Heidelberger BIB-Konferenz mit über 200 Besucher*innen erfolgreich zu Ende. Für alle, die nicht dabei sein konnten, wird es demnächst Lesematerial online auf der BIB-Website geben und in einer Weile auch Videos von der Konferenz auf rubikon.news.

BIB-Konferenz am 26. Mai 2018

Zuschauen und Zuhören im JUNI

Aus Anlass der Ereignisse in Gaza hat mich der Verein „Freunde von Valjevo“ zu einem Vortrag mit Gespräch eingeladen.

Freitag, 15. Juni, 20 Uhr 
Daheim entfremdet –
Erkenntnisse  aus meinem Mutterland Israel
Hofbergsaal, Hofberg 7, 85276 Pfaffenhofen a.d. Ilm
Veranstalter: Freundschaft mit Valjevo e.V.
Hier die Ankündigung im Donaukurier


Am kommenden Sonntag halte ich wieder einen Workshop zu Präsenz und Ausstrahlung im Freien MusikZentrum in München.

Sonntag, 17. Juni, 10 – 17 Uhr
Alle Infos dazu HIER.
Es gibt nur noch zwei Plätze – Anmeldung nur übers FMZ.


Ich freue mich besonders darauf, meinen Vortrag über meinen Hin- und Rückzug nach Israel erstmals in Berlin halten zu dürfen. Die Einladung hierzu kommt vom Ökumenischen Zentrum WILMA.

Freitag, 22. Juni, 19 Uhr
Daheim entfremdet
Erkenntnisse  aus meinem Mutterland Israel

Ökumenisches Zentrum WILMA, Wilmersdorfer Str. 163
10585 Berlin
Bus M45 oder UBhf. Richard-Wagner-Platz (U7)


Und nun mein ganz persönlicher Höhepunkt im Juni: Wir spielen wieder unsere musikalische Realsatire REALITY CHECK! Wie wunderbar, endlich wieder mit Freund*innen und Mitstreiter*innen auf der Bühne zu stehen, Theater zu spielen, Musik zu machen und so dabei auch noch politisch aktiv zu sein.
Ein Hoch auf die Freiheit der Kultur! Ein Hoch auf die Meinungsfreiheit!*

Donnerstag, 28. Juni, 20 Uhr
REALITY CHECK
Bayerisch-israelisch-musikalische Polit-Revue,
in O-Tönen verfasst und aufgeführt von
Linda Benedikt & Nirit Sommerfeld
Musik:
Andi Arnold, Miene Costa, Pit Holzapfel
KKV Hansa Haus
Brienner Str. 39
80333 München

Karten an der Abendkasse
Veranstalter: KKV Hansa München


Zum Schluss noch etwas zum Hören:
Noch bis 14. Juni  kann man die Radiosendung Auf Kante genäht zum Thema DAS ENDE DER MEINUNGSFREIHEIT IN MÜNCHEN? STADTRATSBESCHLUSS ANTISEMITISMUS bei Radio Lora nachhören. Hier kommen die Münchner Stadträte Marian Offman (CSU) und Brigitte Wolff (Linke) ebenso zu Wort wie Adrian Paukstat (jüd.-pal. Dialoggruppe) und ich.


MITREISEN

Im Oktober biete ich wieder in eine BIB-Bildungsreise vom 19.10.-2.11. nach Israel und Palästina an. Die Gruppe wird maximal 16 Personen stark sein; wir besuchen Tel Aviv, den Norden Israels, das palästinensische Jordantal und andere Gebiete der Westbank; Jerusalem, Hebron und andere Städte; gehen ans Meer und in die Wüste; treffen Beduinen, Siedler, Knesset-Abgeordnete, jüdische und palästinensische Familien und werden viel Unterschiedliches erleben. Freie Zeiten sind diesmal auch eingeplant. Ich konzipiere und begleite die gesamte Reise, habe aber auch Reiseleiter vor Ort, die uns begleiten werden.

An der Mauer in Bethlehem – Oktoberreise 2017

Wer Näheres wissen möchte, schreibt mir bitte eine Mail an info@nirittours.info; gerne verschicke ich dann die detaillierte Info mit Kosten, Anmeldebogen etc.


Ich wünsch‘ Dir weiterhin einen sonnigen Sommer und freue mich auf ein Wiedersehen!

Herzlichst,

*Ganz besonders lade ich all jene zu meinen Vorträgen und Auftritten ein, die meinen,  ich (jüdische Israelin) würde hier irgend etwas Antisemitisches fabrizieren. Ich stehe selbstverständlich im Anschluss an die Vorstellung für Gespräche bereit.
Wer nicht kommt, mich aber weiterhin mit diesem verleumderischen Vorwurf des Antisemitismus zu diffamieren versucht, bekommt von mir eine Strafanzeige.