Alle Beiträge von Nirit Sommerfeld

München heute jüdisch

Leider ist dieser Post, den ich vor drei Tagen geschrieben habe, offenbar nicht online gegangen, obwohl ich auf „veröffentlichen“ geklickt hatte (das Internet, mein Computer oder sonst irgendwer spielt mir immer wieder einen Streich…). Nun ja, die beiden Veranstaltungen von Donnerstag könnt Ihr nicht mehr besuchen, dafür ein Bild von der REALITY CHECK-Vorstellung sehen, das wir vor gut besuchten Haus gespielt und wofür wir viel Applaus bekommen haben.


Gleich drei Anlässe, sich heute, 28. Juni 2018, mit München und Jüdischsein zu befassen: eine Lesung, ein literarischer Beitrag und ein Theaterstück. Dreimal sind Frauen beteiligt — zwei meiner engsten Freundinnen und ich — , für die Jüdischsein von besonderer Bedeutung ist; Frauen, die ganz unterschiedliche  jüdische Familiengeschichten haben.

Patricia Litten erzählt von ihrem Onkel Hans, der als Rechtsanwalt von Hitler einen ‚Legalitätseid‘ erzwang und später dafür mit dem Leben bezahlen musste. Linda Benedikt schreibt von ihrem Großvater Robert Weichselbaum, den die Deutschen später als Rateonkel Robert Lembke nie mit Jüdischsein in Verbindung brachten. Und ich spiele in dem Stück REALITY CHECK eine Reiseleiterin, die nur Texte spricht, die ich in Israel gesammelt habe, sogenannte Original-Töne. Zusammen mit Linda und drei Musikern will ich  die israelisch-palästinensische Realität darstellen und zeigen, warum ein Wandel in eine friedliche Zukunft für alle Beteiligten wohl kaum von innen heraus möglich sein wird.

Wir freuen uns auf Euer lesen, kommen, gucken.

Herzlichst,

Nirit


Heute Abend, 19 Uhr, lädt das NS-Dokumentationszentrum München, Max-Mannheimer-Platz 1, zur Lesung Eine Mutter kämpft gegen Hitlermit Patricia Litten ins Auditorium ein.
Hier dazu ein Beitrag mit Interview von gestern in der Bayern2 Kulturwelt.

Heute Abend, 20 Uhr, lädt das KKV-Hansahaus zur musikalischen Polit-Revue REALITY CHECK in die Brienner Straße 39 ein.
von und mit Linda Benedikt, Nirit Sommerfeld
Musik: Andi Arnold, Miene Costa, Pit Holzapfel

Online zu lesen:
Vergiftetes Erbe von Linda Benedikt im Rubikon

Sturm über Ramallah

Seit zwei Tagen tobt ein Sturm über Ramallah, genauer gesagt über der Leiterin der Heinrich-Böll-Stiftung Bettina Marx, die es wagte, in einem Gastbeitrag bei der Deutschen Welle das zu beschreiben, was Millionen Menschen wissen: Die reale Situation der Palästinenser. Diese Millionen wissen das nicht nur, sie kennen diese Situation von innen heraus. Es sind die gut 6 Millionen Palästinenser, die zwischen Mittelmeer und Jordan leben: die zwei Millionen in Gaza (minus 137, die die letzten Wochen aufgrund von Beschuss durch israelische Scharfschützen nicht überlebt haben); die gut drei Millionen, die in den Besetzten Gebieten und Ost-Jerusalem leben (minus eine Handvoll Jugendlicher und junger Erwachsener, die wegen Steinewerfens in den letzten Wochen erschossen wurden), und die knapp zwei Millionen, die in Israel leben. Sie bezeichnen sich selbstironisch als „Araber in Sahne“, weil es ihnen vergleichsweise gut geht. Sie sterben nicht so häufig auf Grund militärischer Gewalt, dafür sitzen etliche von ihnen in israelischen Gefängnissen, wie etwa die Knesset-Abgeordnete Khalida Jarrar, über die Gideon Levy hier schreibt. .

Außer diesen gut sechs Millionen Palästinensern, die gut Bescheid wissen über die Situation, gibt es noch ein paar andere, die Bescheid wissen, zumindest so ungefähr. Du zum Beispiel, wenn Du ab und zu meine Briefe liest oder weil Du vielleicht schon mal nach Israel und Palästina gereist bist und Dir die Sache mit eigenen Augen und von beiden Seiten angeschaut hast. Und noch ein paar Tausend andere wissen auch Bescheid: etwa fünf Millionen Palästinenser*innen weltweit, die Verwandtschaft im Nahen Osten haben, selbst gut integriert in Europa oder Amerika sind oder in irgendeinem Flüchtlingslager leben; Leute, die Newsletter lesen (etwa die Newsletter von Palästina-Nachrichten, BIB, medico international, Palästina-Portal, von JStreet oder von Jewish Voice for Peace) oder die von Berufs wegen mit dem sogenannten „Nahost-Konflikt“ zu tun haben, zum Beispiel Journalist*innen; und Leute, die Bücher von Shlomo Sand und Ilan Pappé oder anderen neuen Historikern gelesen haben oder Romane und Geschichten von Susan Abulhawa, Amos Oz, David Grossman oder Sari Nusseibeh;  und einige Politikerinnen und Politiker wissen auch Bescheid – klar, auch sie von Berufs wegen.

Also gut, vielleicht kommen wir dann doch auf ein paar Zehntausend, womöglich einige Hunderttausend, die Bescheid wissen über das, was Bettina Marx da öffentlich von sich gibt – und die finden, das soll gesagt werden, denn das beschreibt eine große Ungerechtigkeit und das muss die Welt wissen – bestenfalls, um dagegen etwas zu unternehmen. Aber dann gibt es da noch Leute, die wissen entweder genauso gut Bescheid oder überhaupt nicht, und interessanterweise haben diese beiden Gruppen der Wissenden und Nicht-Wissenden ein gemeinsames Interesse: Dass eben nicht erzählt wird, dass die Welt sich darüber nicht aufregen und schon gar nicht etwas dagegen unternehmen soll. Manche dieser Menschen sind sehr, sehr mächtig. Sie veranlassen zum Beispiel den Austritt aus dem Menschenrechtsrat. Manche sind nicht so mächtig – sie greifen lieber zu anderen Mitteln und bemühen sich, die anderen zu etwas zu machen, was die bestimmt nicht sind: zu Verrätern, Israel-Hassern und vor allem zu Antisemiten.

Die gute Nachricht ist: Auf Dauer wird ihnen das alles nichts nützen. Die Wahrheit setzt sich früher oder später durch. Das ist wohl das Einzige, was sich in der Geschichte der Menschheit wiederholt. Schade nur, dass wir noch eine Weile warten müssen. Bis dahin gibt es noch einiges zu tun. Damit die Zeit nicht lang wird, hier einige Tipps zum Lesen und Schauen.


Mein heute erschienener Rubikon-Artikel: Falsches Spiel

Bettina Marx bei Deutsche Welle (und weil sie alles so genau benennt, sehe ich keinen Anlass, dem etwas hinzuzufügen, außer: Leider hat sie Recht.)

… und die unsäglich Forderung der sogenannten „Werteinitiative“, Bettina Marx zu entlassen

Gideon Levy: Wir werden nicht aufhören zu filmen und zu schreiben (dem schließe ich mich an!)


Live und aktuell:

Morgen Abend, 22.6., 19 Uhr  in Berlin:
Mein Vortrag Daheim entfremdet im Ökumenischen Zentrum WILMA

Nächste Woche in München:

Mittwoch, 27.6., 19 Uhr
MUHI– ein kranker Junge aus Gaza wird in Israel behandelt
Monopol Kino
mit Filmgespräch in Anwesenheit von Produzentin Tina Leeb
MUHI Trailer ansehen

Donnerstag, 28.6., 20 Uhr
REALITY CHECK
musikalische Polit-Revue
von und mit Linda Benedikt und Nirit Sommerfeld
KKV Hansa-Haus

Sei herzlichst gegrüßt und bis bald,

Zuschauen, Zuhören, Mitreisen

Vor 14 Tagen ging die Heidelberger BIB-Konferenz mit über 200 Besucher*innen erfolgreich zu Ende. Für alle, die nicht dabei sein konnten, wird es demnächst Lesematerial online auf der BIB-Website geben und in einer Weile auch Videos von der Konferenz auf rubikon.news.

BIB-Konferenz am 26. Mai 2018

Zuschauen und Zuhören im JUNI

Aus Anlass der Ereignisse in Gaza hat mich der Verein „Freunde von Valjevo“ zu einem Vortrag mit Gespräch eingeladen.

Freitag, 15. Juni, 20 Uhr 
Daheim entfremdet –
Erkenntnisse  aus meinem Mutterland Israel
Hofbergsaal, Hofberg 7, 85276 Pfaffenhofen a.d. Ilm
Veranstalter: Freundschaft mit Valjevo e.V.
Hier die Ankündigung im Donaukurier


Am kommenden Sonntag halte ich wieder einen Workshop zu Präsenz und Ausstrahlung im Freien MusikZentrum in München.

Sonntag, 17. Juni, 10 – 17 Uhr
Alle Infos dazu HIER.
Es gibt nur noch zwei Plätze – Anmeldung nur übers FMZ.


Ich freue mich besonders darauf, meinen Vortrag über meinen Hin- und Rückzug nach Israel erstmals in Berlin halten zu dürfen. Die Einladung hierzu kommt vom Ökumenischen Zentrum WILMA.

Freitag, 22. Juni, 19 Uhr
Daheim entfremdet
Erkenntnisse  aus meinem Mutterland Israel

Ökumenisches Zentrum WILMA, Wilmersdorfer Str. 163
10585 Berlin
Bus M45 oder UBhf. Richard-Wagner-Platz (U7)


Und nun mein ganz persönlicher Höhepunkt im Juni: Wir spielen wieder unsere musikalische Realsatire REALITY CHECK! Wie wunderbar, endlich wieder mit Freund*innen und Mitstreiter*innen auf der Bühne zu stehen, Theater zu spielen, Musik zu machen und so dabei auch noch politisch aktiv zu sein.
Ein Hoch auf die Freiheit der Kultur! Ein Hoch auf die Meinungsfreiheit!*

Donnerstag, 28. Juni, 20 Uhr
REALITY CHECK
Bayerisch-israelisch-musikalische Polit-Revue,
in O-Tönen verfasst und aufgeführt von
Linda Benedikt & Nirit Sommerfeld
Musik:
Andi Arnold, Miene Costa, Pit Holzapfel
KKV Hansa Haus
Brienner Str. 39
80333 München

Karten an der Abendkasse
Veranstalter: KKV Hansa München


Zum Schluss noch etwas zum Hören:
Noch bis 14. Juni  kann man die Radiosendung Auf Kante genäht zum Thema DAS ENDE DER MEINUNGSFREIHEIT IN MÜNCHEN? STADTRATSBESCHLUSS ANTISEMITISMUS bei Radio Lora nachhören. Hier kommen die Münchner Stadträte Marian Offman (CSU) und Brigitte Wolff (Linke) ebenso zu Wort wie Adrian Paukstat (jüd.-pal. Dialoggruppe) und ich.


MITREISEN

Im Oktober biete ich wieder in eine BIB-Bildungsreise vom 19.10.-2.11. nach Israel und Palästina an. Die Gruppe wird maximal 16 Personen stark sein; wir besuchen Tel Aviv, den Norden Israels, das palästinensische Jordantal und andere Gebiete der Westbank; Jerusalem, Hebron und andere Städte; gehen ans Meer und in die Wüste; treffen Beduinen, Siedler, Knesset-Abgeordnete, jüdische und palästinensische Familien und werden viel Unterschiedliches erleben. Freie Zeiten sind diesmal auch eingeplant. Ich konzipiere und begleite die gesamte Reise, habe aber auch Reiseleiter vor Ort, die uns begleiten werden.

An der Mauer in Bethlehem – Oktoberreise 2017

Wer Näheres wissen möchte, schreibt mir bitte eine Mail an info@nirittours.info; gerne verschicke ich dann die detaillierte Info mit Kosten, Anmeldebogen etc.


Ich wünsch‘ Dir weiterhin einen sonnigen Sommer und freue mich auf ein Wiedersehen!

Herzlichst,

*Ganz besonders lade ich all jene zu meinen Vorträgen und Auftritten ein, die meinen,  ich (jüdische Israelin) würde hier irgend etwas Antisemitisches fabrizieren. Ich stehe selbstverständlich im Anschluss an die Vorstellung für Gespräche bereit.
Wer nicht kommt, mich aber weiterhin mit diesem verleumderischen Vorwurf des Antisemitismus zu diffamieren versucht, bekommt von mir eine Strafanzeige.

Neue Datenschutzverordnung

Liebe Brieffreundinnen und Brieffreunde!

In unregelmäßigen Abständen versende ich meine ‚Briefe von Nirit‘, einen Blog, der Dich in Form eines Newsletter mit Informationen zu künstlerischen und politischen Veranstaltungen erreicht.

Ab 25. Mai 2018 gilt die EU-Datenschutz-Grundverordnung. Gerne möchte ich auch in Zukunft über meine und ähnliche Veranstaltungen informieren. Eure persönlichen Daten verwende ich ausschließlich für den Versand meines Newsletters, den ich über WordPress bzw. mit MailChimp versende.

Wenn Du Informationen wie bisher empfangen möchtest, musst Du nichts weiter unternehmen und erteilst mir damit die Genehmigung, weiterhin über meine Aktivitäten zu informieren.
Wer dies NICHT wünscht, schickt bitte eine formlose E-Mail an post@niritsommerfeld.com oder nutzt ganz unten den Button „Newsletter abbestellen“.

Herzliche Grüße,

Nirit Sommerfeld

Hier mein jüngster Artikel im RUBIKON
Bitte unterschreibe meine Petition: Stoppt das Massaker in Gaza!

Eine Petition, ein Artikel, eine Konferenz, ein Theaterstück, eine Radiosendung, ein Late-Night-Talk

Guten Abend!

Meine Petition Stoppt das Massaker in Gaza! hat bereits über 1.100 Unterschriften in weniger als 48 Stunden gesammelt. Auch Du solltest unterschreiben, damit wir unserer Regierung sagen können: Seht her, wir Deutschen wollen keine neuen Drohnen aus Israel, sondern Freiheit und Gleichberechtigung für alle Menschen zwischen Mittelmeer und Jordan!


Meinen neuesten Artikel Das Ende der Redefreiheit kannst Du im RUBIKON nachlesen.


Nächsten Freitag, den 25. Mai beginnt unsere dreitägige BIB-Konferenz in Heidelberg. Wer in der Nähe ist, kann gerne noch reinschauen und probieren, eine Karte zu ergattern. Ansonsten sind wir ausverkauft und freuen uns über dieses rege Interesse.


Am 28. Juni spielen wir wieder REALITY CHECK in München, unsere musikalisch-satirische Politik-Revue zur israelischen-palästinensischen Besatzungsrealität. Karten wird es an der Abendkasse geben – wo, das verraten wir erst kurz vorher. Nur so viel: Der Saal ist sehr zentral gelegen und vom Hauptbahnhof aus gut erreichbar!


Nächsten Mittwoch bin ich von 21-22 Uhr in einem live- Gespräch mit Tuncay  Acar in der Sendung Gegensprechanlage auf Radio Lora zuhören. Zu der Sendung hat mich der Bund für Geistesfreiheit München eingeladen. Gei-stes-frei-heit! Da fühle ich mich wohl. Hier kannst Du LIVE zuhören.


Und zum Schluss noch ein kleines Schmankerl von meinem Late-Night-Talk kürzlich in Kostanz. Gute Nacht!

Mehr im Mai

Nun hörst Du schon wieder was von mir, diesmal geht es um

das Dokfilm Festival in München, sehr empfehlenswert
(in einem Film spiele ich mit)

meinen neuen Artikel im online-Magazin Rubikon

meine Planung für die nächste Palästina-Israel-Reise

 

SCHAUEN
Vom 2.-13. Mai findet in München wieder das Dokfilm Festival statt, das zu vielen Themen eine spannende Auswahl an Filmen bietet. In FOREVER FLÜCHTLING habe ich eine winzige Rolle gespielt, an der Seite von Maria Furtwängler und drei geflüchteten Jugendlichen aus Afghanistan. Regie führte Dirk Schäfer, mit dem ich schon 1988 in Berlin DIE WEISSEN ZWERGE gedreht habe – damals allerdings die weibliche Hauptrolle.
Sonntag, 06.05.2018, 11:00 h, HFF – Kino 1
FOREVER FLÜCHTLING
Tickets gibt es HIER.

LESEN
Ich möchte Dir sehr ans Herz legen, den RUBIKON zu abonnieren. Hier findest Du Texte und Themen, die in den meisten Medien nicht zu finden sind, von Autoren, denen Frieden und menschliches Miteinander wichtig sind. Meine heute erschienene Bilderstrecke Kunst statt Krieg erzählt von jungen Männern aus Gaza, die ihrer Situation mit Kunst begegnen. Die Bilder habe ich direkt aus Gaza geschickt bekommen.

REISEN
Die nächste BIB-Reise nach Israel und Palästina findet im Oktober 2018 statt. Genauer gesagt sind es zwei Reisen: eine 10-tägige, sehr dichte Tour mit Schwerpunkt ‚Politik in Palästina‘ vom 6.-15.10.18, sowie eine 14- oder 15-tägige Rundreise mit etwas mehr touristischem Anteil sowohl in Israel als auch in Palästina vom 20.10. – 4.11.18. Wer Interesse hat, sollte mir möglichst bald eine Mail schreiben an info@nirittours.info, dann melde ich mich mit detaillierteren Infos zurück.

Ich wünsche Dir noch schöne Sonnentage!

Herzlichst,

Termine im Mai

Liebe Brieffreundin, lieber Brieffreund!

Alles neu macht der Mai – was meine Termine angeht, stimmt das. Vor dem großen Ereignis, der BIB-Konferenz vom 25.-27. Mai in Heidelberg, bei der ich auch mit meinem ORCHESTER SHLOMO GEISTREICH unser Programm Nicht ganz kosher! spielen werde, gibt es vier weitere Termine in München und Konstanz, die ich Euch nahelegen möchte:

2. Mai 2018, 21 Uhr: EINGESCHENKT! Late Night Talk – live an der Bar des Inselhotels Steigenberger in Konstanz

10. Mai 2018, ab 10 Uhr: München liest aus verbrannten Büchern
Königsplatz München

11. Mai 2018, 19 Uhr: Podiumsdiskussion zum Thema Religionsfreiheit im Rahmen der OCCURSO Sommerakademie

17. Mai 2018, 19.30 Uhr: DAHEIM ENTFREMDET – mein sehr persönlicher Vortrag über meine beiden Heimaten Israel und Deutschland, Kulturforum Blumenau

Zu allen Veranstaltungen findest Du genaue Informationen in meinem Kalender.

Für die BIB-Konferenz gibt es noch Karten, aber es wird schon knapp. Wer also plant dabei zu sein, sollte sich beeilen und schnell online buchen. Das Programm findest Du HIER.

Auf Wiedersehen – ich freue mich darauf!

Herzlichst,

Israels Siebzigster: Freuden- und Trauertag

Leider ist mir nicht die Sprache eines David Grossmann gegeben. Umso tiefer treffen mich seine Worte, die er anlässlich der Gedenkfeier für gefallene Soldaten und Terroropfer am 17. April in Tel Aviv hielt (hier in der FAZ nachzulesen). Erstmals wurden zu diesem Anlass auch Angehörige palästinensischer Opfer des Konflikts eingeladen. Diese Nachricht berührte mich; sollte sich wirklich etwas gewandelt haben in meinem Land? Als ich hörte, dass der israelische Verteidigungsminister Avigdor Lieberman die Teilnahme der Palästinensischen Opferfamilien untersagen lassen wollte, überfiel mich wieder dieses Gefühl von Scham („fremdschämend“ sagt man ja heute), von Wut und Abscheu gegen alles, was Lieberman und das ganze Politsystem um ihn herum verkörpert.

Aber dann las ich weiter und erfuhr, dass Lieberman mit seiner Absicht am Obersten Israelischen Gerichtshof gescheitert war. Palästinensische Familien konnten ebenso und gleichzeitig und gemeinsam mit jüdisch-israelischen Familien um ihre Liebsten trauern und ihrer gedenken und den Schmerz teilen und sich vielleicht ein bisschen näher kommen und das Gemeinsame spüren. Das gemeinsame Leid, das gemeinsame Land, dem sie sich alle gleichermaßen verbunden fühlen, vielleicht sogar so etwas wie einen Hauch von gemeinsamer Zukunft, so wie Grossman sie beschreibt.

Und endlich konnte ich meinen eigenen Schmerz erkennen ob dieses Wahnsinns, den ich seit genau zehn Jahren – da lebte ich noch in Tel Aviv – beschreibe, dokumentiere, analysiere, versuche zu verstehen und zu vermitteln. Der verändert werden will und muss. Der Wahnsinn von Krieg und Unterdrückung, von falscher Macht, von Ungerechtigkeit und Willkür, der schon so vielen Menschen das Leben gekostet hat und der so viel Leid hervorruft. Wie sollen Menschen das ertragen? Wo soll sie das hinführen? In diesen Tagen denke ich viel an meine große Familie und an meine vielen Freunde in Israel und frage mich, wie es ihnen geht mit ihrer Fassade der angeeigneten Stärke, des anerzogenen überbordenden Selbstbewusstseins, mit ihrer Überzeugung, liberal und links zu sein und die einzig wahre und verteidungungswürdige Position in diesem Land zu vertreten und vor allem: mit ihrer Überzeugung, keine Wahl zu haben.

Ihnen möchte ich zurufen: „Ihr habt eine Wahl! Ihr seid stark und schwach und Ihr seid menschlich und habt Wünsche und Träume und wollt dasselbe wie Eure palästinensischen Nachbarn! Wacht endlich auf, hört auf Eure Herzen, hört auf Leute wie David Grossman! Niemand will Euch Böses – aber alle wollen ein gutes Leben, genau wie Ihr es habt. Es steht ihnen zu, und es ist unter Eurer Würde, ihnen das zu verweigern. Es ist nicht unter Eurer Würde, um Verzeihung zu bitten für von Euch verschuldetes Unrecht, ebenso wie es nicht unter Eurer Würde ist, Anerkennung für Euer Leid und Eure Ängste zu erbitten und zu erwarten. Aber die Würde ist auf allen Seiten. Die Würde ist beim Menschen, egal bei welchem. Achtet sie!“

Gerne würde ich mit ihnen feiern – mit ‚meinen Leuten‘ – die Freude der Freiheit und der Selbstbestimmung mit ihnen teilen. Doch ich kann es nicht, solange meine anderen Freunde, die palästinensischen, die selbe Freude nicht auch feiern können. Aber ich bin der Überzeugung, dass es eines Tages anders sein wird, dass auf palästinensischer Seite weiter friedlich marschiert wird und dass auf israelischer Seite die Fassade bröckelt, wenn immer mehr Israelis Menschen wie Grossman (oder Gideon Levy oder Amira Hass oder Ayman Odeh oder Jonathan Cook) zuhören. Warum ich der Überzeugung bin? Ich kann es nicht sagen; ich sammle eben Hoffnungsschimmer wie ein Ertrinkender die Strohhalme. Es ist ein Hauch von Perspektive (was mehr meint als Hoffnung), – klein, aber viel versprechend – für den es lohnt, die Tränen der Scham und der Wut und der Verzweiflung und des Schmerzes über all die Verluste der einen und der anderen Seite aus dem Gesicht zu wischen, die Tastatur zu behämmern, zum Telefon zu greifen, zu reden, zu singen, zu erklären, zu überzeugen, Mauern und Ängste zu überwinden; sich selbst mit all den eigenen Zweifeln und Verletzlichkeiten öffentlich zu zeigen und die Stirn zu bieten, egal wie oft man eins auf die Nase kriegt, und all die Energie genau hierhin zu stecken.

Wie sehr wünsche ich mir, dann endlich die Tränen fließen lassen zu können, Freudentränen und Tränen der Erleichterung. Ich sehe uns tanzen am Strand von Tel Aviv, wir machen uns auf den Weg nach Süden, von wo uns tanzend unsere Freundinnen und Freunde aus Gaza entgegen kommen (frau wird ja noch träumen dürfen). Danke, dass Du bis hierhin gelesen hast und meine kleine Vision mit mir teilst. Das macht für mich einen Unterschied.

Frühlingsfeste feiern – Freiheit für alle!

Liebe Freundinnen und Freunde, liebe Leser*innen!

An Pessach gedenken wir Juden weltweit der Befreiung der Kinder Israels durch Moses aus der Sklaverei in Ägypten. Nicht wenige jüdische Gruppierungen interpretieren diese Befreiung universalistisch, wie etwa die Rabbis for Human Rights, der New Israel Fund oder T’ruah. Ich bin ganz ihrer Meinung, dass Schluss sein muss mit der Bitterkeit, die Menschen ertragen müssen auf Grund von Verfolgung, Unterdrückung, Ausgrenzung, Flucht, Rechtlosigkeit, Rassismus und all den Niederträchtigkeiten, die Menschen Menschen antun. Dieses Jahr haben diese Organisationen in den USA eine Aktion gestartet, die Ihr HIER nachlesen und von der Ihr Euch inspirieren lassen könnt.

So wie letztes Jahr, gibt es auch dieses Jahr eine Haggadah (also die Erzählung vom Auszug aus Ägypten, die man traditionell am ersten Passach-Abend liest), die zur Befreiung aller Menschen — auch der Palästinenser — aufruft und die durchaus lesenswert ist. Auch wer nicht Pessach feiert, kann darin blättern und spannende Beiträge zeitgenössischer jüdischer Autor*innen finden.

Unsere Seder-Tafel 2017 vor…
… und nach der Mahlzeit

Übrigens: Auf unserem Seder-Teller gibt es seit einigen Jahren zusätzlich zu den traditionellen Symbolen auch eine Orange. Warum das so ist, beschreibt meine Tochter Lili in ihrem literarischen Beitrag im gerade erschienenen Sachbuch  Lesben raus!, herausgegeben von Stephanie Kuhnen, das sich für mehr lesbische Sichtbarkeit ausspricht. Lesenswert!


Letzte Woche durfte ich in Freiburg mit der kleinen Besetzung meines ORCHESTERs SHLOMO GEISTREICH das Gedenkprogramm Unter Deinen Weissen Sternen spielen und am darauffolgenden Abend vor etwa 70 Zuhörer*innen meinen Vortrag Daheim entfremdet an der Freiburger Uni halten (wie schon im Februar in Niedersachsen). In München ist der Vortrag demnächst noch mindestens zwei Mal zu hören:

Beim Liberalen Lunch, zu dem RA Hildebrecht Braun einlädt (nur nach Anmeldung — bitte per Email erfragen)
am Donnerstag, 5. April um 12 Uhr (nahe Marienplatz)

sowie in der Johanneskirche der Christengemeinschaft,
Blumenauer Str. 46, 80689 München
am Donnerstag, 17. Mai um 19:30 Uhr 


Wer Lust hat, einen ganzen Tag spielerisch mit mir zu verbringen und dabei auch noch etwas über Wahrnehmung, Ausstrahlung und Bühnenpräsenz zu lernen, kann sich noch für einen

Workshop im Freien MusikZentrum
am Sonntag, den 8. April, 10 – 17 Uhr
online anmelden unter „Kurs buchen“ oder
telefonisch unter 089 – 41 42 47 – 0


Euch allen Frohe Ostern oder Frohe Pessach-Feiertage — oder nach belieben auch beides — und auf ein baldiges, hoffentlich nicht nur virtuelles Wiedersehen!

Herzlichst,