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Politisches, Musik, Gespräche und ein Workshop

Liebe Brieffreundin, lieber Brieffreund,

soeben habe ich meinen vorvorletzten Blogeintrag Wir müssen reden. — den Groschenroman zu Wikipedia — ergänzt und korrigiert. Ich hoffe, es sind nun keine falschen oder missverständlichen Aussagen darin enthalten; und falls doch, tut’s mir herzlich leid, wenn sich jemand auf den Schlips getreten fühlt. Ich begebe mich hier nicht in ein Wettrüsten des Beleidigtseins; gegen Diffamierungen werde ich mich natürlich weiterhin wehren.


Aber nun genug davon. Es gibt ein paar spannende Veranstaltungen, auf die ich hier aufmerksam machen möchte. Zunächst die Reihe zu 80 Jahren Reichspogromnacht und Antisemitismus, die den weiten Bogen bis ins heutige Israel und nach Palästina spannt. Dazu haben wir gerade die Ausstellung „Frieden ist möglich — auch in Palästina“ in der Evangelischen Kirche in Grafing eröffnet. Die Ausstellung ist ab sofort bis zum 13. November von 8.00 bis 18 Uhr in der Auferstehungskirche Grafing, Glonner Str. 5, zu besichtigen.

Am kommenden Sonntag, den 4. November 2018 um 18 Uhr findet ebenda ein Podiumsgespräch zwischen Fuad Hamdan und mir statt:

Israel/Palästina — Unser Heimatland

Ein Gespräch zwischen der Israelin Nirit Sommerfeld und dem Palästinenser Fuad Hamdan
Moderation: Dr. Götz Schindler

Fuad Hamdan und Nirit Sommerfeld sind beide im selben Land, doch in verschiedenen Staaten geboren: Palästina bzw. Israel. Beide empfinden ihren Geburtsort als ihre Heimat, beide leben seit Jahrzehnten in Deutschland — und haben eine gemeinsame Vision, wie ihre Ansprüche auf „Heimat“ friedlich gelöst werden können.

Am Freitag darauf findet zum Gedenken an den 80. Jahrestag der Reichspogromnacht, am 9. November 2018 um 19.30 Uhr ebenso in der Grafinger Kirche unser Konzert UNTER DEINEN WEISSEN STERNEN statt. Darauf freue ich mich besonders, mit meinen Freunden Andi Arnold (Klarinette), Robert Probst (Klavier) und Pit Holzapfel (Gitarre, Posaune) ein Zeichen zu setzen gegen das Vergessen und für eine bessere Zukunft, gegen Antisemitismus und jede andere Form von Rassismus.Weitere Veranstaltungen in dieser Reihe sind diesem Flyer zu entnehmen.


Am Mittwoch, den 7. November 2018 um 19 Uhr findet an der Münchner Uni eine sehr spannende Veranstaltung mit Andreas Zumach statt, langjähriger taz-Korrespondent, Preisträger und auch BIB-Beirat, im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Medienrealität „live“ am Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung.

Israel, Palästina und die Grenzen des Sagbaren
LMU-Hauptgebäude, Geschwister-Scholl-Platz 1, Hörsaal M118

Natürlich steht auch diese Veranstaltung wieder unter schwerem Beschuss von Menschen, die offenbar nicht wollen, dass dieses Thema überhaupt besprochen wird. Umso erfreulicher wäre es, wenn Ihr Euer Interesse bekundet, zahlreich erscheint und Interessierte mitbringt.


Die Frage, ob Israelkritik antisemitisch ist, muss wohl noch eine ganze Weile verhandelt werden, so auch in Zürich am Montag, den 12. November um 20 Uhr im Forum des Kulturzentrum Kosmos. Dort werde ich mit anderen Podiumsgästen zu diesem Thema diskutieren.


Die letzte Ankündigung zu diesem Thema betrifft mich ganz persönlich, wenn auch nur indirekt: Am Mittwoch, 14.11.2018, 09.30 Uhr, findet in der Bayerstr. 30, Sitzungssaal 4 im Erdgeschoss die mündliche Verhandlung in der 7. Kammer des Münchner Verwaltungsgerichts statt. Das Gericht wird  zu prüfen haben, ob die Stadt einen Raum unter Berufung auf den Stadtratsbeschluss vom Dezember 2017 gegen Antisemitismus zu Recht verweigern kann. Der Kläger, ein Münchner Bürger, hatte einen Raum im Stadtmuseum angefragt, der ihm verweigert wurde mit der Begründung, „… es sei davon auszugehen, dass die geplante Diskussion, deren Titel sich explizit auf den Stadtratsbeschluss bezieht, nicht ohne eine Thematisierung von BDS sowie deren Inhalte, Themen und Ziele auskommt.“ Und damit darf sich bekanntlich seit Dezember 2017 in städtischen Münchner Räumen nicht befasst werden. Der Punkt ist: Auf dem Podium sollte ich sitzen und mit Befürwortern des Stadtratsbeschlusses diskutieren. Wieder werde ich in Zusammenhang mit Antisemitismus gebracht.

In Oldenburg musste kürzlich die Stadt per Gerichtsbeschluss angeblichen Reichsbürgern Räumlichkeiten zur Verfügung stellen, weil  Artikel 5 GG (Meinungsfreiheit) laut Richter konstituierend für die Demokratie ist. Das mag einem gar nicht schmecken, aber Meinungsfreiheit gilt nun mal für alle. Man darf also gespannt sein, wie Münchner Richter entscheiden. Die Verhandlung ist öffentlich.


Und nun noch etwas ganz anderes: Ich biete wieder einen Workshop Bühnenpräsenz / Wahrnehmung / Ausstrahlung an am Sonntag, den 25. November, 10 – 18 Uhr im Freien MusikZentrum München. Eine Anmeldung ist nur dort online oder per Telefon unter 089 – 41 42 47-0 möglich. Die Plätze sind begrenzt, ich freue mich über alle, die Interesse an Selbst- und Fremdwahrnehmung, dem Spiel miteinander, dem Beobachten und Ausprobieren haben. Der Workshop ist für ALLE geeignet, die was zu sagen haben, sei es sprechend, singend, auf einer Bühne, vor einer Schulklasse, in einem Seminar, bei einer Feier oder sonstwo vor anderen Menschen. Wenn Du also willst, dass man Dir gebannt zuhört, dann komm ins FMZ und mach mit!


Ich freue mich auf ein Wiedersehen und grüße herzlichst,

Lügen- und Lesestoff

Gelogen

Es ist wie in einem Groschenroman und mittlerweile amüsiert es mich mehr als dass es mich schreckt: Feliks bemüht sich, alle Spuren zu verwischen, die wohl zeigen, dass es ihm darum ging, manipulative Informationen über verschiedene Leute zu verbreiten. Was meinen Wikipedia-Eintrag angeht, so ist plötzlich wie aus dem Nichts eine Wikipedia-Autoren-Kollegin aufgetaucht und hat — schwuppdiwupp — einen ganz neuen Artikel über mich geschrieben. Man könnte fast meinen, da wird eine ganz andere Person beschrieben als zuvor. Wo diese freundliche Autorin plötzlich herkam, was ihre Beweggründe sind… man weiß es nicht. Und es ist, mit Verlaub, auch gar nicht so wichtig, zumindest was meinen bescheidenen Eintrag angeht. Viel wichtiger ist, dass wir herausfinden,  was es genau damit auf sich hat, wenn Leute auf der mittlerweile weltweit größten Wissensplattform Wikipedia Artikel verfassen, die nicht neutrales Wissen vermitteln, sondern tendenziös sind. In der 20-minütigen neuen Folge #12 der ‚Geschichten aus Wikihausen‘ gibt es wieder interessante Entdeckungen.

Wer mehr darüber erfahren und vor allem Dirk Pohlmann, Markus Fiedler und einige andere live und in Action erleben will, kann am kommenden Samstag in Wien die große Wikihausen-Konferenz besuchen, zu der auch ich einen kleinen Beitrag als Referentin leisten werde. Ob Münchhausen, Pinocchio oder andere Lügenbarone persönlich anwesend sein werden, wird noch nicht verraten, nur so viel:
Am Samstag, den 13. Oktober, 15 Uhr, Penzingerstr. 72, 1140 Wien
geht’s los und hört nicht vor 22 Uhr wieder auf! Es wird bestimmt ein großer Spaß und wir freuen uns auf ein zahlreiches, interessiertes, neugieriges Publikum!


Gelesen

Drei Bücher beschäftigen mich diesen Herbst derart, dass ich sie Dir empfehlen möchte, zwei Sachbücher und ein Roman.

Zunächst für Liebhaber der Belletristik der neue Roman von Daniel Speck, bei dessen Präsentation ich letzte Woche sowohl im Münchner Literaturhaus als auch am historischen Ort in Tunis dabei sein durfte. Beide Lesungen waren ein überzeugender Auftakt zur Lektüre dieses Romans, der große Freude macht und den man gar nicht mehr aus der Hand legen möchte.

Piccola Sicilia  ist wieder (wie Daniels erster Roman ‚Bella Germania‘) eine berührende Familiengeschichte voller überraschender Wendungen, die sich zwischen dem heutigen Berlin  und dem Tunis der 40er Jahre abspielt und in deren Zentrum drei Frauen aus drei Generationen stehen. Juden, Christen und Muslime leben in guter Nachbarschaft nebeneinander, bis die deutsche Wehrmacht kommt… Mehr will ich nicht verraten, aber ich kann Dir versprechen, dass Du hingerissen sein wirst von den Bildern und den Charakteren,  die hier beschrieben werden und die auf wahren Begebenheiten beruhen. HIER geht’s zur Leseprobe.


Der Frage, ob Muslimischer Antisemitismus eine Gefahr für den gesellschaftlichen Frieden in Deutschland ist, geht der Kultur- und Politikwissenschaftler David Ranan nach. Dazu hat er über 70 Interviews mit muslimischen Studierenden und Akademikern geführt — und kommt zu überraschenden Ergebnissen, wie er sowohl bei der Buchpräsentation im Münchner NS-Dokumentationszentrum als auch im Interview mit den Aachener Nachrichten beschreibt. Er sagt: „Für viele in der deutschen Gesellschaft ist es bequemer, über muslimischen Antisemitismus zu reden als über den eigenen. … Die große Angst ist übertrieben.“ Sehr interessant, empfehlenswert! Mehr zu dem Buch HIER.


Ich würde lügen, wenn ich behauptete, die Lektüre von Michael Lüders‘  neuem Buch Armageddon im Orient würde ‚Spaß‘ machen. Große Freude kommt nicht auf, wenn man liest und begreift, welche Interessen vorherrschen zwischen den USA und den Saudis, welche Rolle der Iran spielt — und wie vielen Menschen das schon das Leben gekostet hat und möglicherweise noch kosten wird. Gerade daher halte ich es für ein wichtiges Buch für alle, die die geopolitischen Zusammenhänge im Orient verstehen und einen Beitrag dazu leisten wollen, dass es vielleicht doch nicht so schlimm kommt wie zu befürchten ist. Das Buch und eine Leseprobe gibt’s HIER.


Musikalisch wird’s bei mir erst wieder am 9. November mit dem Gedenkprogramm UNTER DEINEN WEISSEN STERNEN zur Reichspogromnacht in der ev. Kirche in Grafing. Das Konzert findet im Rahmen einer Veranstaltungsreihe statt — hier dazu der Flyer. Und am 25. November kannst Du wieder einen ganzen Tag lang mit mir an Deiner Präsenz und Wahrnehmung arbeiten bei einem Workshop im Freien MusikZentrum München. Infos und Anmeldung HIER bzw. auf S. 100 des Programmheftes des FMZ .


Ich grüße herzlichst und freue mich auf ein Wiedersehen!

Wir müssen reden.

Ich habe den folgenden Text unter dem Titel „Wir müssen reden“ schon vorher auf dieser Seite veröffentlicht und als Nichtkennerin von Wikipedia darin offenbar Fehler eingebaut. Von verschiedener Seite wurde ich darauf aufmerksam gemacht und daher veröffentliche ich diesen Text in korrigierter Fassung jetzt neu.

Hier steckt viel Arbeit drin, es gibt viele Links, unter denen alles geprüft werden kann. Wer’s also ganz genau wissen will — auch die Damen und Herren, die mir Kommentare geschrieben haben und mich auf Fehler hinwiesen —  hier gibt es genügend Lesematerial.

Ich für meinen Teil verabschiede mich hiermit von der Wikipedia-Debatte. Für mich gibt es momentan Wichtigeres zu tun. Was genau, das verrate ich ganz bald in meinem nächsten Newsletter.


In den vergangenen Tagen sind ein paar Fakten enthüllt worden, über die ich sprechen muss. Ich sage bewusst „muss“, denn ich habe wenig Spaß daran und mag mich nicht mit solchen Dingen beschäftigen, die mich von meinen wirklichen Themen ablenken. Aber das hier ist wichtig.

Es geht weit über das übliche „Nestbeschmutzer“-Geplärre hinaus, mit dem manche Menschen mich und viele meiner Mitstreiter*innen zu verleumden versuchen (am besten noch mit dem völlig missbrauchten Begriff des Antisemitismus). Was hier von zwei investigativen Journalisten aufgedeckt worden ist, betrifft ganz allgemein den Umgang und die Einschätzung eines Mediums, das weltweit nahezu Monopolstellung auf dem Gebiet der Wissensvermittlung erlangt hat und das wir alle schon zigfach genutzt haben: Wikipedia. Es geht also um Bildung und Freiheit.

Liest man den Eintrag über Wikipedia bei der Wikipedia selbst, erfährt man, dass diese eine freie Enzyklopädie ist, also ein kostenlos im Internet erhältliches Wissens-Lexikon, geschrieben „… durch freiwillige und ehrenamtliche Autoren“. Eine tolle Idee, wie ich immer gefunden und für die ich auch schon Geld gespendet habe: Wissen wird für alle zugänglich frei zur Verfügung gestellt. Wer etwas schreiben will, tut dies ehrenamtlich und muss belegbare Quellen angeben. Großartig.

Was ich erst seit wenigen Wochen beginne zu lernen ist, dass die Wikipedia ein ziemlich gut organisiertes, aber schlecht durchschaubares System ist und es innerhalb der Wikipedia Autoren-Hierarchien gibt; auch dagegen spricht zunächst mal nichts. Wie die genau funktionieren, kann ich (noch) nicht sagen. Fest steht aber, dass Autor*innen mit höheren Befugnissen darüber bestimmen können, was wir im weltweiten Netz über bestimmte Themen erfahren können. Und was nicht. Einer dieser in der Wikipedia sehr gut vernetzen Autoren mit mehr Handlungsmöglichkeiten als der Durchschnittsbenutzter ist der Autor „Feliks“. Und dieser Autor trug ganz erheblich dazu bei, dass die Wikipedia über mich wenig Schmeichelhaftes verbreitete.

In der Wikipedia kann  man ohne Anmeldung schreiben. Vorausgesetzt, man schreibt das, was ein innerer Zirkel an Autoren in der Wikipedia gerne hätte. Schreibt man etwas anonym und ohne Anmeldung, dann wird die eigene Internetadresse, die sogenannte IP-Adresse, in der Wikipedia als Autor angezeigt.

Von so einer IP Adresse (nämlich 195.200.70.54) wurde mein Artikel ursprünglich am 15. Juni 2018 erstellt. Und — vielleicht um es wissenschaftlicher aussehen zu lassen — wurde dem Artikel gleich etwas mit hebräischer Schrift beigefügt: mein Name, leider unvollständig punktiert (Anfängerfehler). Also steckt hinter der IP wahrscheinlich ein*e Autor*in, die/der Hebräisch nicht als Muttersprache gelernt hat.

Dieser Artikel enthielt zahlreiche Daten, die man als üble Nachrede mir gegenüber werten könnte. Z.B. steht dort: „Darüber hinaus engagiert sie sich für die antiisraelische Kampagne ‚Boycott, Divestment and Sanctions‘, zu deren Unterstützung sie in der Abschlusserklärung der Palästina-Solidaritäts-Konferenz in Stuttgart 2010 mit aufrief.“

Das ist nicht ganz richtig. In der BDS-Bewegung kann man gar nicht Mitglied sein; definitiv bin ich aber nicht aktiv tätig für BDS. Die Abschlusserklärung der Palästina-Solidaritäts-Konferenz habe ich mit Hunderten anderer namhafter Persönlichkeiten unterschrieben, denn sie enthielt mehrere Themenpunkte und wurde von mir in ihrer Gesamtheit unterschrieben. Wie es häufig ist, war es mir wichtig, mit meiner Unterschrift ein Zeichen für Menschlichkeit und Gerechtigkeit für Israelis und Palästinenser zu setzen. Das gleiche trifft vermutlich auf sehr viele der insgesamt über 1200 Unterzeichner zu — BDS-Aktivisten oder nicht.

Aber zurück zur Wikipedia: Nach unwesentlichen Änderungen verschiedener Autoren hat immerhin der Wikipedia-Benutzer „Lutheraner“ am 15.06.18 in dem o.g. Satz das Wort „antiisraelisch“ gegen „israelkritisch“ ausgetauscht, was deutlich sachlicher ist.

Das gefiel dem genannten Autor „Feliks“ offenbar gar nicht, denn er änderte „israelkritisch“ noch am selben Tag in „antizionistisch“ und setzte dazu gleich einen Link auf die Internetseite „Antizionismus“. Und das innerhalb von 24 Minuten nach der Änderungen von „Lutheraner“. Da frage ich mich doch, ob der Autor „Feliks“ diesen Artikel aktiv überwacht hat, wenn er so schnell auf Änderungen aufmerksam wird, die bis zu dem Zeitpunkt in einem Artikel geschahen, der noch nicht einmal öffentlich war.

So, und was kann man auf der Wikipediaseite zu Antizionismus lesen? „Antizionismus wird sowohl säkular wie religiös begründet und findet sich auf dem gesamten Kontinuum des politischen Spektrums. Häufig bestehen enge Zusammenhänge zwischen Antizionismus und Antisemitismus sowie unausgesprochener Holocaustleugnung.“ Feliks möchte also eine Assoziation zwischen meiner Person und Antizionismus / Antisemitismus herstellen.

Ist es nachvollziehbar, dass ich das wenig spaßig finde, wenn ich — Jüdin, israelische Staatsbürgerin, Enkelin eines im KZ Ermordeten —  in der Wikipedia mit Antisemitismus und Holocaustleugnung in Verbindung gebracht werde? Ich unterstelle, dass das kein Zufall ist, sondern dass hier böswillig gehandelt wurde.

Denn die Veränderungen durch Feliks gehen weiter. Er löscht als nächstes einen Wikipedia-internen Link zum Kleinen Theater Haar, dessen Intendantin ich zwei Jahre lang war, noch in der selben Minute (!). Begründung, Zitat: „Ich gehe nicht davon aus, dass dieses Theater relevant ist“. Aaaah… na gut, er scheint’s zu wissen.

Wir sind immer noch bei einem  Wikipediaartikel, der zu diesem Zeitpunkt noch nicht für der Öffentlichkeit sichtbar ist. Er musste erst freigeschaltet werden. In der Wikipedia machen diese Freischaltung sogenannte ‚Sichter‘. Nach weiteren unwesentlichen Änderungen wird der Artikel  nun endlich (wir erinnern uns: der Initiator/Hauptautor ist die anonyme IP-Adresse 195.200.70.54) also  gesichtet und öffentlich freigeschaltet, und zwar durch…? Richtig, Feliks! Somit trägt er doch in meinen Augen die Verantwortung für diesen Artikel, oder?! Wofür sonst werden denn Sichter in der Wikipedia benötigt, wenn nicht dafür, richtig von falsch zu unterscheiden und das Falsche aus der Wikipedia fernzuhalten?!

Richtige Angaben sind mein Geburtsdatum und mein genauer Wohnort. Wofür diese Details? Ich möchte vor allem nicht, dass alle Welt weiß, wo ich wohne, was ich schon mehrfach direkt an eine Wikipedia-Autorin kommuniziert habe mit der Bitte, dies zu ändern — ohne Erfolg. Und ansonsten wurden nur einige Kleinigkeiten aus meinem Lebenslauf gepickt, die mich nicht gerade gut aussehen lassen — mehr im Gesamtbild, im Unterton, in der Art, wie der gesamte Artikel zusammen gestellt ist. Hier ist man offenbar schlampiger mit den „Details“.

Da nützt es auch nichts, dass z.B. ein Autor „Additionalinformationbenedikt“ am 21.06.18 ergänzt: „Seit ihrer Rückkehr aus Tel Aviv engagiert sich Sommerfeld sowohl für die rechtliche Gleichbehandlung von Israelis und Palästinensern in Israel, als auch für die Beendigung der israelischen Besatzung. 2010 unterschrieb sie die Abschlusserklärung der Palästina-Solidaritäts-Konferenz in Stuttgart, die die BDS-Kampagne (Boykott, Divestment, Sanctions) unterstützte. 2011 wurde ihr der Kulturpreis „Der Grüne Wanniger“ von der Bezirkstagsfraktion der GRÜNEN für ihr Engagement für Völkerverständigung zwischen Israelis und Palästinensern verliehen. (…) Im Juli 2016 gründete sie zusammen mit Rupert Neudeck, Rolf Verleger und anderen den Verein „Bündnis zur Beendigung der israelischen Besatzung (BIB) e. V.“, dessen Geschäftsführerin sie ist. Aufgrund ihrer konsequenten politischen Haltung und ihrem vehementen Einsatz für Menschenrechte wird Sommerfeld nicht nur von jüdischen Gemeinden in Deutschland des “Antisemitismus” beschuldigt. Aufgrund eines Stadtratsbeschlusses der Stadt München von 2017, der sich gegen Antisemitismus wendet, unter der aber, laut der Stadt München, auch kritische Auseinandersetzungen mit der Israelischen Politik fallen, wurden Sommerfeld bereits diverse städtische Räume für Vorträge und Konzerte verweigert.“

Dieser Eintrag wurde nicht gesichtet. Im Gegenteil, er wurde sofort, sprichwörtlich nach einer Minute (das kann man alles im Verlauf nachlesen, wenn man sich die Mühe machen möchte)  vom Wikipediaautor „Kuebi“ revidiert. Somit stand also gleich wieder da, dass ich mich für die „antizionistische“ Kampagne BDS „engagiere“.

Zu allem Überfluss ist dieser Kuebi Administrator (also noch höher in der Wikipedia-Hierarchie) und ein virtuoser noch dazu. Er schafft es nicht nur, den Artikel an einem schönen Donnerstag Morgen im Juni um 07:57 Uhr zu revidieren, sondern den Autor„Additionalinformationbenedikt“ noch in der selben Minute zu sperren und den Hinweis zu tippen: „Kein Wille zur enzyklopädischen Mitarbeit erkennbar“. Aha.

Ich denke, man erkennt ziemlich genau, wes Geistes Kind die Autoren sind, die hier in der Wikipedia schreiben. Sie verfolgen eine klare Agenda, wollen Leute wie mich, Rolf Verleger und andere, die sich kritisch mit Israels Besatzungspolitik auseinandersetzen, diffamieren, wie in den „Geschichten aus Wikihausen“ von Markus Fiedler und Dirk Pohlmann sehr gut herausgearbeitet wurde.

Man  ließ am Ende also das (politisch harmlose) Mozarteum stehen, aber Rupert Neudeck wurde, wie Vieles andere auch, wieder gestrichen bzw. rück-„korrigiert“. Neudeck weckt wohl zu viel positive Assoziationen, die Feliks und/oder seine Freunde mir nicht gönnen. Rolf Verleger hingegen hat er gerne drin gelassen; dessen Wikipedia-Artikel zeichnet schließlich auch kein sehr positives Bild des jüdischen Professors, der Israels Politik für einen Irrweg hält. Und wer ist einer der Hauptautoren dieses Verleger-Artikels? Richtig: Feliks.

Mich stellt man dann noch mittels „engagiert sich für …“ als Aktivistin der BDS-Bewegung dar, die „Feliks“ nachdrücklich als „antizionistisch“ bezeichnet. Ja, nachdrücklich: Man hatte die Stelle (siehe oben) geändert, doch Feliks hat genau diesen Begriff wieder eingefügt. Aber das hatten wir ja schon.

Zudem trägt Feliks genau das als Kategorie in den Artikel ein, nämlich eine „Kategorie:Unterstützer von Boycott, Divestment and Sanctions“, die es bis dato noch gar nicht gab bei der Wikipedia! Und verlinkt die in meinem Artikel! Was soll das? Wem dient das? Will da jemand eine schwarze Liste haben? Dient dazu auch der Hinweis auf meinen Wohnort?

In eine „irgendwie antisemitische Schmuddel-Ecke“ also soll ich gedrängt werden, ganz klar, und Feliks ist nicht der erste, der auf diese geniale Idee kommt. Grundsätzlich halte ich Boykott für ein Menschenrecht; das macht mich, die deutsch-israelische Jüdin, noch lange nicht zur Antisemitin, schon gar nicht zur selbsthassenden Jüdin. Und schon gar nicht werde ich das durch Dich, Feliks.

Oh Du meine Güte, dass ich mich mit diesem Schwachsinn überhaupt auseinander setzen muss! Da muss ich wirklich der anderen Seite gratulieren. Das habt Ihr gut gemacht, Ihr Hetzerinnen und Hetzer, Ihr habt es geschafft, dass unsereins sich mit diesen Absurditäten herumschlagen muss und wir unsere Zeit hierfür verschwenden. Genau das wolltet Ihr ja. Aber das Spiel ist noch nicht zu Ende. Ihr liefert uns die Argumente, die schlussendlich für uns sprechen. Doch erst mal weiter im Text.

Nachdem die Bundesregierung in ihrer kruden Antisemitismus-Definition unter anderem „sekundären Antisemitismus“ (hä?!) mit Kritik an Israel beschreibt und deutsche Städte wie München, Frankfurt und Berlin ihren Bürgern öffentliche Räume verweigern, wenn allein schon der Verdacht besteht, die Referentin  könne sich mit BDS befassen (ja, Freunde, es heißt in dem Beschluss „be-fas-sen“), da macht sich doch das Stigma ‚BDS‘ bei unliebsamen Zeitgenossen gut, die noch so sehr betonen können, dass sie nicht gegen, sondern für etwas kämpfen, allem voran für Menschenrechte.

Meine konsequent an das Gute und die Liebe glaubende Tochter brachte mich auf den Gedanken, dass Feliks es womöglich, ganz tief unten drunter, auch nur gut meint. Mag sein, vielleicht meint er, die Welt (vor mir) retten zu müssen. Aber so lange die Welt und insbesondere das Land, in dem wir leben, gewisse Gesetze hat, die unsere  Persönlichkeitsrechte wahren sollen und uns vor Verleumdung schützen, werde ich das mit Feliks, wenn nötig, juristisch klären. Ich habe seinem Umfeld schon unzählige Male nachweislich Gesprächsangebote gemacht — vergeblich. Daher prüfe ich jetzt rechtliche Schritte.

Übrigens: Als irgend ein Autor meinen Wohnort änderte in „in der Nähe von München“, hat Feliks wieder rück-„korrigiert“ und wieder meinen echten Wohnort angegeben. Seither ist dieser Autor bei Wikipedia gesperrt.

Was es mit Wikipedia, Feliks und anderen prominenten Wiki-Autoren auf sich hat, kannst Du Dir im Online-Video von Markus Fiedler und Dirk Pohlmann ansehen. Es ist ziemlich lang, aber wirklich sehenswert. Wenn Du gar keine Zeit und wenig Geduld hast, dann findest Du des Rätsels Lösung ungefähr ab Minute 50 (und lässt Dir spannende Details entgehen).


Den folgenden Abschnitt habe ich natürlich unverändert belassen.

Hier nun endlich das, womit ich mich WIRKLICH beschäftigen will:  Besonders freue ich mich auf den musikalisch-politischen Auftakt der Saison am kommenden Wochenende. Am Samstag darf ich auf dem traditionellen UZ-Pressefest diskutieren und singen, am Sonntag gibt es eine ganz besondere Holocaust-Gedenkveranstaltung für verfolgte homosexuelle Frauen — die erste ihrer Art, zu der ich auch musikalisch beitragen darf.

Dortmund: Hier ein kleines Video von mir für die Musikzeitschrift Melodie&Rhythmus und die Ankündigung fürs UZ-Pressefest, auf dem ich kommenden Samstag, den 8. September ab 14.30 Uhr erst auf dem Diskussionspodium zum Thema ‚Gegenkultur‘, dann auf der Bühne mit Andi Arnold (Klarinette) und Lili Sommerfeld (Klavier, Gesang) auftreten werde. Wer schon früher kann: Um 13 Uhr wird das neue Buch von Moshe Zuckermann vorgestellt:

Berlin: Gedenkveranstaltung für die verfolgten Lesben* der NS-Diktatur am Sonntag Nachmittag, den 9. September um 16 Uhr am Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen, direkt bei der Hannah-Arendt-Straße. Lili, Andi und ich sorgen für die musikalische Umrahmung.


Zum Thema BDS ein sehr ausgewogener Beitrag von Matthias von Hein für die Deutsche Welle, dem ich neben Meinungsäußerungen  von Avi Primor, Prof. Horst Teltschik, Iris Heftes, der Bonner BDS-Gruppe und anderen auch etwas beitragen konnte.


Kino: ein Film von Wisam Zureik hat demnächst Premiere:
Heimat am Rande erzählt die Geschichte israelischer PalästinenserInnen; alle Infos und der Trailer auf der Website.


Israel-Palästina-Reise im Frühjahr 2019:
Die nächste Reise findet zwischen dem 28. April und dem 12. Mai 2019 statt. Die Reiseplanung ist ganz ähnlich wie die der Oktoberreise, die Du HIER nachlesen kannst. Wenn Du Interesse hast, bitte melde Dich so bald wie möglich unverbindlich bei mir unter info@nirittours.info; es stehen nur begrenzt Plätze zur Verfügung.
Den Reisebericht von 2017 findest Du HIER.


Und schließlich noch ein Gruß zum Frieden

Am Sonntag Abend ist Erev Rosh haShana, zu Deutsch der Vorabend des Neuen Jahres. Nach jüdischem Kalender beginnt mit Sonnenuntergang das Jahr 5779. Traditionell isst man in Honig getunkten Apfel, um die Süße des kommenden Jahres zu schmecken, stellt Schalen mit Sesam und Granatäpfeln auf den Tisch, um die zahllosen Wohltaten zu symbolisieren, die wir uns erhoffen, und wünscht sich gegenseitig Shana tova u’metuka — ein gutes und süßes Neues Jahr. Dies tue ich hiermit auch und richte diesen Gruß an alle, die unter unserer Sonne leben: Juden, Muslime, Christen, Hindus, Buddhisten, Atheisten, Gläubige, Glaubende und Nicht-Glaubende. Vor allem richtet sich mein Friedensgruß an all jene, deren Leben unter Besatzung gar nicht süß schmeckt. So lange sie nicht frei sind, sind auch wir nicht frei.

Dazu der Newsletter von Hagai El-Ad, dem Leiter der israelischen Menschenrechtsorganisation B’Tselem. Er beschreibt sehr klar, warum Schweigen keine Option ist, so lange Menschen in unserer unmittelbaren Nähe unter Militärbesatzung leiden. Dies zu ändern, ist unsere Aufgabe. Darüber müssen wir reden.

Herzlichst,

Am 10. September wäre der große israelische Friedenskämpfer Uri Avneri 95 Jahre alt geworden. An seiner Seite habe ich im Januar 2009 gegen die Angriffe auf Gaza demonstrier (Foto: privat). Einen Nachruf und Links zu seinen wichtigsten Artikeln findest Du hier im BIB-Blog.

Sommergruß

Lesestoff, heute in sommerlicher Kürze …

–  mein neuer Artikel im Rubikon zum israelischen Nationalstaatsgesetz

–  ein interessanter Fall vor allem für Musiker- und Künstler-Kolleginnen, wie wegen einer politischen Musik-Komposition bei den Donaueschinger  Musiktagen Zensur geübt wird; hier geht’s zur Petition  für die Freiheit der Kunst — Danke jetzt schon für Deine Unterschrift!

–  auch spannend: Geschichten vom Flughafen Ben Gurion in Tel Aviv …
–  … vom jüdisch-amerikanischen Journalisten und Schriftsteller Peter Beinart im Forward
–  … vom israelischen Journalisten Gideon Levy in Haaretz (Bezahl-Artikel)


Live …

–  können wir uns das nächste Mal wieder am 8. September auf dem „Unsere-Zeit-Festival“ in Dortmund wieder sehen, wo ich erst bei einer Diskussion auf dem Podium sitze und anschließend mit Andi Arnold und meiner Tochter Lili Sommerfeld Musik mache

–  oder am 9. September bei einer ganz besonderen Holocaust-Gedenkveranstaltung in Berlin — auch mit Andi und Lili musikalisch

–  sowie am 22. September in Bad Boll bei der Tagung „Shrinking Spaces“ im Israel-Palästina-Konflikt; Infos und Anmeldung HIER

Infos zu den ersten beiden Veranstaltungen gibt es demnächst gesondert.

Ich wünsche noch fröhliche, entspannte Sonnentage!

Herzlichst,

Bäume und Reisen

In dieser Woche ist ein weiterer Artikel von mir im Rubikon-Online-Magazin erschienen. Er behandelt das Thema der Baumpflanzungen in Israel bzw. in von Israel besetztem Land. Diese Baumpflanzungen haben nur vordergründig einen Begrünungszweck; in Wirklichkeit dienen sie häufig der Landnahme — doch ihr augenscheinlich ökologischer Wert wird gerne zu PR-Zwecken genutzt, auf den schon häufig ausländische Gäste hereingefallen sind, zuletzt der Fraktionsvorsitzende der Linkspartei. HIER geht’s zum Artikel, zu dem der Rubikon dieses wunderbare Bild hinzugefügt hat; es könnte aus meinem privaten Fotoalbum stammen, in meiner Kindheit aufgenommen, vermutlich in der schönen Negev- (oder Naqab-)Wüste.
So (!) muss es in dieser Gegend aussehen — ohne grüne Bäume! Die aktuellen Temperaturen bei uns passen übrigens auch gerade ganz gut dazu…


Wenn Du regelmäßig meine Briefe hier liest, dann weißt Du, dass ich einerseits sehr kritisch gegenüber der israelischen Politik bin, andererseits eine große Liebe und Leidenschaft für das Land zwischen Mittelmeer und Jordan habe. Vielleicht weißt Du auch, dass ich zwei Jahre lang wieder in in meinem Geburtsland gelebt habe, und dass ich es vor fast neun Jahren wieder verlassen habe. Seither schreibe, singe und spiele ich für Gerechtigkeit, Versöhnung, Ausgleich und gegen Rassismus, Militarismus und Besatzung. Aber was immer ich da erzähle und in welcher Form — nichts kann einen Menschen besser und wahrhaftiger bilden als wenn er oder sie mit eigenen Augen und Ohren sieht und hört, sich also im wahrsten Sinne ein eigenes Bild macht.

Und so lade ich Dich wieder zu einer Reise nach Israel und Palästina ein, entweder in diesem Herbst (14 Tage vom 19. Oktober bis 2. November 2018) oder im kommenden Frühjahr (etwa 29. April bis 12. Mai 2019). Wir reisen mit einer kleinen Gruppe von max. 16 Personen, haben Reiseleiter*innen vor Ort, besuchen Plätze, Menschen, Organisationen und haben viel Gelegenheit, uns auszutauschen, zu erfahren und erleben, Fragen zu stellen, Land, Leute, Natur und Kulturen kennen zu lernen und natürlich Einblicke zu gewinnen über das real gelebte Leben auf beiden Seiten des so genannten Nahost-Konflikts.

Für die diesjährige Reise findest Du alle Informationen HIER; die nächste Reise wird so ähnlich verlaufen. Einen Reisebericht über die Oktoberreise 2017 findet Du HIER. Wenn Du Dich anmelden willst oder weitere Fragen hast, schreibe mir an:
info@nirittours.info.

Gerne kannst Du diesen Brief an Interessierte weiterleiten. Ich freue mich auf Deine Rückmeldung  und noch mehr auf gemeinsame Abenteuer!

Herzlichst,

 

München heute jüdisch

Leider ist dieser Post, den ich vor drei Tagen geschrieben habe, offenbar nicht online gegangen, obwohl ich auf „veröffentlichen“ geklickt hatte (das Internet, mein Computer oder sonst irgendwer spielt mir immer wieder einen Streich…). Nun ja, die beiden Veranstaltungen von Donnerstag könnt Ihr nicht mehr besuchen, dafür ein Bild von der REALITY CHECK-Vorstellung sehen, das wir vor gut besuchten Haus gespielt und wofür wir viel Applaus bekommen haben.


Gleich drei Anlässe, sich heute, 28. Juni 2018, mit München und Jüdischsein zu befassen: eine Lesung, ein literarischer Beitrag und ein Theaterstück. Dreimal sind Frauen beteiligt — zwei meiner engsten Freundinnen und ich — , für die Jüdischsein von besonderer Bedeutung ist; Frauen, die ganz unterschiedliche  jüdische Familiengeschichten haben.

Patricia Litten erzählt von ihrem Onkel Hans, der als Rechtsanwalt von Hitler einen ‚Legalitätseid‘ erzwang und später dafür mit dem Leben bezahlen musste. Linda Benedikt schreibt von ihrem Großvater Robert Weichselbaum, den die Deutschen später als Rateonkel Robert Lembke nie mit Jüdischsein in Verbindung brachten. Und ich spiele in dem Stück REALITY CHECK eine Reiseleiterin, die nur Texte spricht, die ich in Israel gesammelt habe, sogenannte Original-Töne. Zusammen mit Linda und drei Musikern will ich  die israelisch-palästinensische Realität darstellen und zeigen, warum ein Wandel in eine friedliche Zukunft für alle Beteiligten wohl kaum von innen heraus möglich sein wird.

Wir freuen uns auf Euer lesen, kommen, gucken.

Herzlichst,

Nirit


Heute Abend, 19 Uhr, lädt das NS-Dokumentationszentrum München, Max-Mannheimer-Platz 1, zur Lesung Eine Mutter kämpft gegen Hitlermit Patricia Litten ins Auditorium ein.
Hier dazu ein Beitrag mit Interview von gestern in der Bayern2 Kulturwelt.

Heute Abend, 20 Uhr, lädt das KKV-Hansahaus zur musikalischen Polit-Revue REALITY CHECK in die Brienner Straße 39 ein.
von und mit Linda Benedikt, Nirit Sommerfeld
Musik: Andi Arnold, Miene Costa, Pit Holzapfel

Online zu lesen:
Vergiftetes Erbe von Linda Benedikt im Rubikon

Sturm über Ramallah

Seit zwei Tagen tobt ein Sturm über Ramallah, genauer gesagt über der Leiterin der Heinrich-Böll-Stiftung Bettina Marx, die es wagte, in einem Gastbeitrag bei der Deutschen Welle das zu beschreiben, was Millionen Menschen wissen: Die reale Situation der Palästinenser. Diese Millionen wissen das nicht nur, sie kennen diese Situation von innen heraus. Es sind die gut 6 Millionen Palästinenser, die zwischen Mittelmeer und Jordan leben: die zwei Millionen in Gaza (minus 137, die die letzten Wochen aufgrund von Beschuss durch israelische Scharfschützen nicht überlebt haben); die gut drei Millionen, die in den Besetzten Gebieten und Ost-Jerusalem leben (minus eine Handvoll Jugendlicher und junger Erwachsener, die wegen Steinewerfens in den letzten Wochen erschossen wurden), und die knapp zwei Millionen, die in Israel leben. Sie bezeichnen sich selbstironisch als „Araber in Sahne“, weil es ihnen vergleichsweise gut geht. Sie sterben nicht so häufig auf Grund militärischer Gewalt, dafür sitzen etliche von ihnen in israelischen Gefängnissen, wie etwa die Knesset-Abgeordnete Khalida Jarrar, über die Gideon Levy hier schreibt. .

Außer diesen gut sechs Millionen Palästinensern, die gut Bescheid wissen über die Situation, gibt es noch ein paar andere, die Bescheid wissen, zumindest so ungefähr. Du zum Beispiel, wenn Du ab und zu meine Briefe liest oder weil Du vielleicht schon mal nach Israel und Palästina gereist bist und Dir die Sache mit eigenen Augen und von beiden Seiten angeschaut hast. Und noch ein paar Tausend andere wissen auch Bescheid: etwa fünf Millionen Palästinenser*innen weltweit, die Verwandtschaft im Nahen Osten haben, selbst gut integriert in Europa oder Amerika sind oder in irgendeinem Flüchtlingslager leben; Leute, die Newsletter lesen (etwa die Newsletter von Palästina-Nachrichten, BIB, medico international, Palästina-Portal, von JStreet oder von Jewish Voice for Peace) oder die von Berufs wegen mit dem sogenannten „Nahost-Konflikt“ zu tun haben, zum Beispiel Journalist*innen; und Leute, die Bücher von Shlomo Sand und Ilan Pappé oder anderen neuen Historikern gelesen haben oder Romane und Geschichten von Susan Abulhawa, Amos Oz, David Grossman oder Sari Nusseibeh;  und einige Politikerinnen und Politiker wissen auch Bescheid – klar, auch sie von Berufs wegen.

Also gut, vielleicht kommen wir dann doch auf ein paar Zehntausend, womöglich einige Hunderttausend, die Bescheid wissen über das, was Bettina Marx da öffentlich von sich gibt – und die finden, das soll gesagt werden, denn das beschreibt eine große Ungerechtigkeit und das muss die Welt wissen – bestenfalls, um dagegen etwas zu unternehmen. Aber dann gibt es da noch Leute, die wissen entweder genauso gut Bescheid oder überhaupt nicht, und interessanterweise haben diese beiden Gruppen der Wissenden und Nicht-Wissenden ein gemeinsames Interesse: Dass eben nicht erzählt wird, dass die Welt sich darüber nicht aufregen und schon gar nicht etwas dagegen unternehmen soll. Manche dieser Menschen sind sehr, sehr mächtig. Sie veranlassen zum Beispiel den Austritt aus dem Menschenrechtsrat. Manche sind nicht so mächtig – sie greifen lieber zu anderen Mitteln und bemühen sich, die anderen zu etwas zu machen, was die bestimmt nicht sind: zu Verrätern, Israel-Hassern und vor allem zu Antisemiten.

Die gute Nachricht ist: Auf Dauer wird ihnen das alles nichts nützen. Die Wahrheit setzt sich früher oder später durch. Das ist wohl das Einzige, was sich in der Geschichte der Menschheit wiederholt. Schade nur, dass wir noch eine Weile warten müssen. Bis dahin gibt es noch einiges zu tun. Damit die Zeit nicht lang wird, hier einige Tipps zum Lesen und Schauen.


Mein heute erschienener Rubikon-Artikel: Falsches Spiel

Bettina Marx bei Deutsche Welle (und weil sie alles so genau benennt, sehe ich keinen Anlass, dem etwas hinzuzufügen, außer: Leider hat sie Recht.)

… und die unsäglich Forderung der sogenannten „Werteinitiative“, Bettina Marx zu entlassen

Gideon Levy: Wir werden nicht aufhören zu filmen und zu schreiben (dem schließe ich mich an!)


Live und aktuell:

Morgen Abend, 22.6., 19 Uhr  in Berlin:
Mein Vortrag Daheim entfremdet im Ökumenischen Zentrum WILMA

Nächste Woche in München:

Mittwoch, 27.6., 19 Uhr
MUHI– ein kranker Junge aus Gaza wird in Israel behandelt
Monopol Kino
mit Filmgespräch in Anwesenheit von Produzentin Tina Leeb
MUHI Trailer ansehen

Donnerstag, 28.6., 20 Uhr
REALITY CHECK
musikalische Polit-Revue
von und mit Linda Benedikt und Nirit Sommerfeld
KKV Hansa-Haus

Sei herzlichst gegrüßt und bis bald,

Zuschauen, Zuhören, Mitreisen

Vor 14 Tagen ging die Heidelberger BIB-Konferenz mit über 200 Besucher*innen erfolgreich zu Ende. Für alle, die nicht dabei sein konnten, wird es demnächst Lesematerial online auf der BIB-Website geben und in einer Weile auch Videos von der Konferenz auf rubikon.news.

BIB-Konferenz am 26. Mai 2018

Zuschauen und Zuhören im JUNI

Aus Anlass der Ereignisse in Gaza hat mich der Verein „Freunde von Valjevo“ zu einem Vortrag mit Gespräch eingeladen.

Freitag, 15. Juni, 20 Uhr 
Daheim entfremdet –
Erkenntnisse  aus meinem Mutterland Israel
Hofbergsaal, Hofberg 7, 85276 Pfaffenhofen a.d. Ilm
Veranstalter: Freundschaft mit Valjevo e.V.
Hier die Ankündigung im Donaukurier


Am kommenden Sonntag halte ich wieder einen Workshop zu Präsenz und Ausstrahlung im Freien MusikZentrum in München.

Sonntag, 17. Juni, 10 – 17 Uhr
Alle Infos dazu HIER.
Es gibt nur noch zwei Plätze – Anmeldung nur übers FMZ.


Ich freue mich besonders darauf, meinen Vortrag über meinen Hin- und Rückzug nach Israel erstmals in Berlin halten zu dürfen. Die Einladung hierzu kommt vom Ökumenischen Zentrum WILMA.

Freitag, 22. Juni, 19 Uhr
Daheim entfremdet
Erkenntnisse  aus meinem Mutterland Israel

Ökumenisches Zentrum WILMA, Wilmersdorfer Str. 163
10585 Berlin
Bus M45 oder UBhf. Richard-Wagner-Platz (U7)


Und nun mein ganz persönlicher Höhepunkt im Juni: Wir spielen wieder unsere musikalische Realsatire REALITY CHECK! Wie wunderbar, endlich wieder mit Freund*innen und Mitstreiter*innen auf der Bühne zu stehen, Theater zu spielen, Musik zu machen und so dabei auch noch politisch aktiv zu sein.
Ein Hoch auf die Freiheit der Kultur! Ein Hoch auf die Meinungsfreiheit!*

Donnerstag, 28. Juni, 20 Uhr
REALITY CHECK
Bayerisch-israelisch-musikalische Polit-Revue,
in O-Tönen verfasst und aufgeführt von
Linda Benedikt & Nirit Sommerfeld
Musik:
Andi Arnold, Miene Costa, Pit Holzapfel
KKV Hansa Haus
Brienner Str. 39
80333 München

Karten an der Abendkasse
Veranstalter: KKV Hansa München


Zum Schluss noch etwas zum Hören:
Noch bis 14. Juni  kann man die Radiosendung Auf Kante genäht zum Thema DAS ENDE DER MEINUNGSFREIHEIT IN MÜNCHEN? STADTRATSBESCHLUSS ANTISEMITISMUS bei Radio Lora nachhören. Hier kommen die Münchner Stadträte Marian Offman (CSU) und Brigitte Wolff (Linke) ebenso zu Wort wie Adrian Paukstat (jüd.-pal. Dialoggruppe) und ich.


MITREISEN

Im Oktober biete ich wieder in eine BIB-Bildungsreise vom 19.10.-2.11. nach Israel und Palästina an. Die Gruppe wird maximal 16 Personen stark sein; wir besuchen Tel Aviv, den Norden Israels, das palästinensische Jordantal und andere Gebiete der Westbank; Jerusalem, Hebron und andere Städte; gehen ans Meer und in die Wüste; treffen Beduinen, Siedler, Knesset-Abgeordnete, jüdische und palästinensische Familien und werden viel Unterschiedliches erleben. Freie Zeiten sind diesmal auch eingeplant. Ich konzipiere und begleite die gesamte Reise, habe aber auch Reiseleiter vor Ort, die uns begleiten werden.

An der Mauer in Bethlehem – Oktoberreise 2017

Wer Näheres wissen möchte, schreibt mir bitte eine Mail an info@nirittours.info; gerne verschicke ich dann die detaillierte Info mit Kosten, Anmeldebogen etc.


Ich wünsch‘ Dir weiterhin einen sonnigen Sommer und freue mich auf ein Wiedersehen!

Herzlichst,

*Ganz besonders lade ich all jene zu meinen Vorträgen und Auftritten ein, die meinen,  ich (jüdische Israelin) würde hier irgend etwas Antisemitisches fabrizieren. Ich stehe selbstverständlich im Anschluss an die Vorstellung für Gespräche bereit.
Wer nicht kommt, mich aber weiterhin mit diesem verleumderischen Vorwurf des Antisemitismus zu diffamieren versucht, bekommt von mir eine Strafanzeige.

Neue Datenschutzverordnung

Liebe Brieffreundinnen und Brieffreunde!

In unregelmäßigen Abständen versende ich meine ‚Briefe von Nirit‘, einen Blog, der Dich in Form eines Newsletter mit Informationen zu künstlerischen und politischen Veranstaltungen erreicht.

Ab 25. Mai 2018 gilt die EU-Datenschutz-Grundverordnung. Gerne möchte ich auch in Zukunft über meine und ähnliche Veranstaltungen informieren. Eure persönlichen Daten verwende ich ausschließlich für den Versand meines Newsletters, den ich über WordPress bzw. mit MailChimp versende.

Wenn Du Informationen wie bisher empfangen möchtest, musst Du nichts weiter unternehmen und erteilst mir damit die Genehmigung, weiterhin über meine Aktivitäten zu informieren.
Wer dies NICHT wünscht, schickt bitte eine formlose E-Mail an post@niritsommerfeld.com oder nutzt ganz unten den Button „Newsletter abbestellen“.

Herzliche Grüße,

Nirit Sommerfeld

Hier mein jüngster Artikel im RUBIKON
Bitte unterschreibe meine Petition: Stoppt das Massaker in Gaza!